Gejammer? Nein, mein Herr!

#1016

Wer sich 1. politisch äußert, 2. dabei einen Standpunkt vertritt, der zwar bei Wahlen so knapp die Hälfte der Stimmen bekommt, aber in der veröffentlichten Meinung nur am Rande berücksichtigt wird, und 3. seine Meinung nicht mit „tut mir leid, aber…“ garniert, der kann schon mal Kritik bekommen. Und das kann treffen. Es gibt Kritik, die sitzt so richtig – weil sie einen wunden Punkt erwischt.

Dann aber gibt es zuweilen Kritik, die einen staunen macht. Man fragt sich, wie derjenige nur auf so etwas kommt. Und fragt sich und fragt sich und findet doch keine Antwort.

So geschehen vergangene Woche. Da erscheint der Artikel „Die Inquisition ist wieder da“. Und dann postet eine kleine, sich selbst „gut“ nennende Gruppe im Nürnberger Stadt dies: „…Gejammer…“.

Erst einmal sah ich nach: War im genannten Artikel wirklich gejammert worden? Nicht, daß es nicht ab und zu angemessen wäre – aber eigentlich, so glaube ich, doch nicht so ganz meiner Art entsprechend. Also: überprüft. Und tut mir leid: ich fand da kein Gejammer.

Aber ich fand einen Verdacht: Es sind welche unter uns, die eigene Kritik stets für angemessen halten; aber Kritik anderer für „Gejammer“ oder unangemessen. Wer sich selbst schon namentlich für „gut“ hält, der erklärt derlei zu seinem Verhalten und für angemessen.

Und wieder wurde eines der Mittel deutlich, mit dem vielfach auf inhaltliche Kritik reagiert wird: Weil man keine Antwort weiß, sagt man: „mir gefällt dein Gesicht nicht“ und schon ist man raus. Will sagen: Wer so reagiert („Gejammer“), der zeigt vor allem eines: Er weiß keine inhaltliche Antwort.

Im bewußten Artikel geht es um drei – nur um drei – Erscheinungen unserer Zeit. Was wäre denn so schwer daran, sich damit inhaltlich auseinanderzusetzen? Natürlich vorausgesetzt, man hat inhaltlich etwas entgegenzusetzen. Aber wenn man das nicht hat oder kann oder was weiß ich, dann kommt halt so ein öder Vorwurf daher.

Bloß nicht mit den Inhalten beschäftigen!

 

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