Sag zum Abschied leise Servus

#1008 Vor kurzem erst beging dieser Blog seinen tausendsten Artikel. Nachdem in den letzten Tagen schon verdächtig wenig neues erschien, darf ich heute den Grund dafür verraten: Es findet derzeit eine berufliche Neuorientierung statt, und die neue Arbeit läßt sich mit einem Blog, der – nicht nur, aber auch – parteipolitisch exponiert ist, nicht gut in Einklang bringen.

Natürlich weiß man, wo ich stehe. Das kann und soll man auch wissen. Aber man soll auch wissen, daß ich mit Vertretern jeder demokratischen – oder, exakter und in diesem Blog oft so benannt – der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entsprechenden Gesinnung arbeiten kann.

Da das eine nicht gut zugleich mit dem anderen öffentlich in dieser Form auftreten kann, nehme ich mich einerseits etwas zurück, um andererseits mehr erreichen zu können. Es wird natürlich bekannt sein, daß ich der mit dem CSU-Parteibuch bin – und das soll es auch. Aber wenn ich die Arbeit in einem anderen Kontext aufnehme, dann lasse ich, schon aus Zeitgründen, das stets ehrenamtliche und in der Freizeit erfolgte Schreiben in diesem Blog sein und schließe diese Tür; eine andere tut sich auf.

Dieses Kind, und etwas natürlich nur Ähnliches ist es schon, ist nun gut vier Jahre alt. Es entstand aus einer Laune heraus, und es wurde eine Passion. Natürlich kam hier oft Ärger über etwas zum Ausdruck oder Begeisterung für etwas anderes, aber dem Grunde nach war dieser Blog auch Ausdruck dessen, was die Demokratie braucht wie der Mensch die Luft: Streit. Streit muß nicht böse erfolgen und um des Kaisers Bart, sondern kann um wichtige Dinge erfolgen und das wichtige Ziel beachten, um Lösungen für Probleme zu ringen, um die Augen zu öffnen. Hoffentlich hat dieser Blog das – wenigstens ab und zu – auch getan. Und hoffentlich bereitete er Vergnügen: nicht nur mit dem Sprachwitz, um den ich mich bemühte, sondern wegen seiner Inhalte.

Konservativ und ein Anhänger der Libertas Bavariae, der Res Publica und dem Gemeinwesen verpflichtet, für ein gutes Zusammenleben auf der Grundlage von Werten und einer Werteordnung eintretend – das sollte dieser Blog sein. Und von Vernunft und Leidenschaft gleichermaßen getragen, hoffentlich nicht allzu häufig dümmlich, und sprachlich öfter das Florett als den Säbel gebrauchend. Bin ich den eigenen Ansprüchen gerecht geworden? Sicher nicht, aber das heißt nicht, daß man sie aufgeben dürfte.

Danke für eine treue oder sporadische Leserschaft, danke für zustimmende oder widersprechende Kommentare. Es gab witzige und gewitzte Begegnungen hier im virtuellen Raum und im wirklichen Leben. Besonderer Dank denen, die mich auch durch Zuspruch und Ansporn immer wieder motiviert haben, die Ideen beisteuerten und Anregungen gaben.

Natürlich: Der Freud kommt wieder; aber mit einer neuen Aufgabenstellung. Mehr auf der Suche nach Dialog als im Monolog, mehr im vorpolitischen Raum gesellschaftlicher Prozesse als im parteipolitischen Raum. Es blutet, ach, das Herz, doch auch für diesen Blog gilt, daß alles im Leben nicht nur seine Zeit hat, sondern auch sein: Ende.

Bild: Der Autor mit etwa zwei Jahren. © Freud sr.

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