Gift in Kinderköpfe

#1005 Kinder sind neue Menschen. Sie nehmen auf, was man ihnen gibt: die Zahnfee und den Osterhasen ebenso wie den Glauben an Gut und Böse. Menschen, die guten Willens sind, nehmen diese scheinbar endlose Aufnahmebereitschaft von Kindern zum Anlaß, besonders verantwortungsbewußt damit umzugehen. Menschen, die bösen Willens sind, nehme dies zum Anlaß, Gift in Kinderköpfe zu träufeln, damit es dort wirkt und gärt.

Wovon ist die Rede? Von Schulbüchern. Ja, in der Tat: von Schulbüchern. Denn dort wird unter dem Deckmantel des Lehrplans und der Objektivität zuweilen ein Zeug verbreitet, das ob seines Gestanks dort nichts zu suchen haben dürfte. Die Rede ist davon, was in – gültigen! – deutschen Schulbüchern über Israel steht.

Hier werden selbst Überlebende der Shoah zu Tätern gemacht. Menschen, die den Vernichtunsgwillen von Hamas & Co. ansprechen, werden deswegen unwidersprochen als „paranoid“ bezeichnet. Es wird in weiten Teilen das propagandistisch eingefärbte Narrativ der Israel-Hasser übernommen.

Und bevor der öde Vorwurf kommt, daß hier aus politischer Überzeugung sowieso pro Israel geredet werden würde: Nein, das ist nicht der Fall. Denn hier wird nicht der Blog-Beitrag nach einer ohnehin schon feststehenden Gefühlslage geschrieben, sondern, und darauf bilde ich mir schon etwas ein, jedes Mal von Neuem eine intellektuelle Argumentation von Anfang an bemüht, um zu einem Ergebnis zu kommen. Und das geht in diesem Zusammenhang so:

Egal, ob man ein Freund Israels ist oder nicht, soll man die Geschichte des Staates und des Nahostkonflikts richtig erzählen. Zum richtigen Erzählen gehört, daß man auch immer alles beim Namen nennt, was dazu gehört.

  • Wenn Israel Unrecht begeht, dann wird das benannt. Soll auch so sein.
  • Wenn Israels Feinde Unrecht begehen, dann wird das oft nicht benannt.

Das alleine ist für ein deutsches (!) Schulbuch schon eine Schande. Es geht aber noch weiter, und wird perfide. Denn es werden Dinge gleichgesetzt, die nicht gleich sind. Palästinensischer Ausrottungswahn, den es gibt (der freilich auch nicht von allen Palästinensern vertreten wird), und der sich in Terroranschlägen und Morden manifestiert, wird mit israelischer Selbstverteidigung gleichgesetzt. Das wäre in etwa so, wenn eine alte Oma auf der Straße von einem jungen Räuber überfallen und erschossen wird und die Zeitung schriebe: „Schießerei auf der Straße“. Glauben Sie nicht? Gab es schon, daß ein Mordanschlag (bei dem nur einer schoß) als „Schießerei“ bezeichnet wurde.

Ja, es gibt auch auf israelischer Seite Verbrecher und Verbrechen. Aber wenn ein Palästinenser einen Mord an einem Israeli begeht, dann bekommt er oder seine Familie eine Belohnung und eine Rente: von der Hamas, vom Iran. Wenn ein Israeli einen Mord an einem Palästinenser begeht, dann wird er vor Gericht gestellt und verurteilt und eingesperrt, und zwar weil er einen Menschen tötete. Ob dieser Mensch ein jüdischer Israeli, ein arabischer Israeli oder eben ein Palästinenser war, ist ohne Bedeutung.

Das alles aber findet in Schulbüchern oft keine Berücksichtigung. Da wird irgendeine ominöse „Gewalt von beiden Seiten“ beklagt, was schon für erstaunlich viel Ahnungslosigkeit oder Relativismus spricht. Um es zu verkürzen:

  • Nehmt Hamas & Co. ihre Waffen, und es wird morgen Frieden sein.
  • Nehmt Israel seine Waffen, und es wird morgen kein Israel mehr sein.

Gibt es auch in Israel Spinner? Ja. Einige. Aber sie spielen keine erhebliche Rolle. Bei manchen Nachbarn Israels, insbesondere der Hamas, spielen gerade die ein große Rolle, die große Spinner sind. Dies wird alles einfach mal so gleichgesetzt und verniedlicht: auch in deutschen Schulbüchern.

Am 7. Juni wird in Berlin im Auswärtigen Amt über dieses Thema gesprochen und werden die schlimmsten Entgleisungen debattiert und – so steht zu hoffen – abgestellt werden.

Denn was in Kinderköpfe geträufelt wird, schwitzt der erwachsene Mensch wieder aus. Und das sollen keine Lügen sein, das soll keine Propaganda sein.

Die Scholars for Peace in the Middle East haben gemeinsam mit Arbeitsgemeinschaften der Deutsch-Israelischen Gesellschaft eine Studie erarbeitet: „Das Israelbild in deutschen Schulbüchern“. Diese liegt elektronisch (PDF) und gedruckt vor. Sie wird auf Anforderung zur Verfügung gestellt. Dazu bitte eine eMail an af@dig-nbg-mfr.org

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