Neujahr am 3. Januar?

#1004 Derzeit wird gefordert, daß Feiertage am Montag „nachgeholt“ werden, wenn sie auf einen Samstag oder Sonntag fielen. Das ist echt toll.

Wir feiern den 1. Mai am 2. Mai, und Weihnachten findet jetzt gegebenenfalls nicht mehr am Samstag, sondern am Montag statt. Juhu! Dieses Vorhaben zeigt, daß es für manche vielleicht hilfreich wäre, sich vorher schlau zu machen und dann zu reden, und nicht immer umgekehrt.

Es gibt Feiertage religiöser – christlicher – Natur und staatliche Feiertage. Das Jahresende begingen schon die Römer ab dem Jahr 153 am 31.12. So ist es geblieben. Es ist kein starres Gesetz, sondern eine gesellschaftliche Übereinkunft. Anders als beim Beginn der Jahreszeiten, der durch Konstellationen im Verhältnis Erde-Sonne definiert wird, gibt es beim Jahreswechsel nach unserem Kalender keine abstrakten Regeln, sondern schlicht und ergreifend eine Übereinkunft.

Jetzt wurde entdeckt, daß das blöde sein kann. Wenn der Handwerksmeister am Samstag feiert, dann kann er gar keinen Arbeitstag freinehmen, weil er ja eh frei hat. Ui, blöde. „Also feiern wir am Montag nach!“, rufen jetzt einige Tausendsassas.

Aber bevor man jetzt in großer Runde zum großen Applaus ansetzt: Erst nachdenken, bitte. Der gleiche Handwerksmeister kann dann nämlich am Montag auch keinen Umsatz machen. Wovon also soll er seine Gesellen und Auszubildenden bezahlen? Er könnte ja, anstatt den Lohn für diesen Tag zu überweisen, eine eMail mit einem Kerzenbild (siehe links) verschicken. Ob das gut ankäme?

Es ist auch fragwürdig, wenn Feiertage ihres Sinnes und Inhalts entleert werden und lediglich als „arbeitsfrei“ definiert werden. Erstens stimmt das für viele Menschen eh nicht, die auch an Feiertagen ran müssen: Vom Notarzt bis zum Jobber bei McDonald’s. Zweitens wird damit kein Zusammenhang mehr, beispielsweise, zwischen dem 1. Mai und dem „Tag der Arbeit“ hergestellt. Wenn, beispielsweise, der 1. Mai – wie heuer – auf einen Sonntag fällt und am 2. Mai „nachgefeiert“ werden soll, wann finden dann die Mai-Aufmärsche statt? Da eh kaum einer mehr dorthin geht, ist die Frage vielleicht nicht für viele wichtig, aber bedeutsam bleibt sie. Drittens gehört bei den Feiertagen, die nach dem Kalender fixiert sind – beispielsweise Silvester, Tag der Arbeit oder Tag der deutschen Einheit – das Wechselspiel dazu: Mal ist es ein Wochendtag, mal ein „Wochenendverlängerungstag“, mal ein Brückentag… Das gehört dazu und sichert, daß man diesen Tag schätzt.

Viertens feiert der Mensch Feiertage am richtigen Datum und nicht an einem gewerkschaftlichen Ersatzdatum – seinen Geburtstag etwa, solange er nicht Queen Elizabeth II. heißt, an jenem Tag, der im Personalausweis steht und nicht dann, wenn er das Maximum rausholen kann. Diesen Verdacht nämlich kann man kriegen, wenn man den Vorschlag näher anschaut: Daß es dabei nicht um Feiertage geht und wie man sie begeht, sondern nur um schnöden Mammon.

Man sollte auch sehen, daß bei einer Verlegung eines Feiertags auf einen Wochentag denjenigen die Feiertagszuschläge weggenommen werden, die eh schon am Wochenende arbeiten müssen. Auch über den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit kann man hier durchaus stolpern.

Übrigens ist der Hinweis darauf, wie es in anderen Ländern gehandhabt wird, Roßtäuscherei. In Ländern, in denen die Menschen 20 Tage im Jahr frei haben, dienen solche Aktionen auch der berechtigten Freizeitvermehrung; in Deutschland haben die Menschen im Schnitt 30 Tage frei. Da greift dieses Argument nicht mehr.

Vor allem aber und fünftens ist es absurd und grotesk, wenn aufgrund einer solchen Regelung die Silvesternacht auf einen Montag, den 2. Januar verlegt wird. Spätestens hier müßte auch demjenigen, der morgens oder überhaupt sehr träge ist, aufgehen, daß diese Idee mit vielem zu tun haben mag, aber nicht mit Nachdenken.

Wir nähern uns dem Sommerloch.

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