Stammtisch. Bürger. Minister.

#1003 Einerseits ist alles nur Zufall: Daß Markus Söder zum Nürnberger Westen einen besonderen Bezug hat, daß er auf die Anfrage hin zusagte, daß sich – und das war nicht einfach! – ein Platz im Terminkalender finden ließ: Das alles ist Zufall. Und überhaupt: Es ist ja vor allem Zufall, daß der menschliche Bezug da ist.

Und doch: Daß es ein guter, daß es ein gelungener Abend war, das ist nicht zufällig. Auch wenn ein SpiegelRedakteur kam, so waren wir doch unter uns. Das heißt nicht, daß nur CSUler da gewesen wären: Es waren auch zahlreiche neue Gesichter da, die vielleicht einmal Minister gucken wollten oder Politik schnuppern oder schauen, wer da so frech ist, ihr ganzes Stammlokal zu belegen. Einerlei, wir freuen uns über das überwältigende Interesse und bitte diejenigen um Nachsicht, die keinen Platz mehr fanden.

Man muß sich so einen Tag einmal vorstellen: Der Söder, Markus, schläft ja nicht bis zum zweiten Frühstück. Er ist unterwegs und hat Termine. Solche, bei denen die Kameras klicken, und solche, bei denen die Türe zu ist, Papiere auf dem Tisch liegen und die Stirn in Falten. Und abends dann wartet ein Ortsverband, wartet ein rappelvolles Lokal auf ihn und erwartet, daß er aufgeräumt, konzentriert, witzig und spontan. Und? Er ist es.

Wobei hier kein Mitleid hervorgerufen werden soll. Es zwingt ihn niemand, diese Anstrengungen auf sich zu nehmen. Aber wie heißt es so schön? „Was es lohnt, getan zu werden, lohnt es, gut getan zu werden.“ Und er macht es gut.

Nicht nur, daß er ein gelungene tour d’horizon gibt. Das macht er öfter. Aber daß er erklärt, warum er dieses so und jenes anders sieht, daß er zeigt, warum Nachdenklichkeit und Gründlichkeit und ein respice finem, ein Betrachten des Resultates von Entscheidungen, wichtiges Merkmal seiner politischen und natürlich auch strategischen Entscheidungen sind, das ist schon spannend mitzuerleben. Daß er lange und gründlich und auch respektvoll mit den Fragen und den Fragenden umgeht, daß er sich nicht bemüht, ihnen eine Antwort hinzuklatschen, sondern daß er in einem öffentlichen Dialog das aufgreift, was derjenige sagt, und es umfassend beantwortet – das nötigt dem Betrachter schon Hochachtung ab.

Jemand, der anwesend war, der den Minister nicht kannte und vorab etwas skeptisch war, war hinterher sichtlich angetan von dem zurückhaltenden, freundlichen, sanften und nachdenklichen Menschen, der er ist. Allzu viele haben noch das Bild vor Augen, das mit dem Generalsekretär Söder zu tun hatte – und von der Realität heute so weit entfernt ist wie der Mond von der Erde. Söder zeigte und erklärte sich, der Bürger hörte erst zu und war dann begeistert.

Und das, genau das, ist politischer Stammtisch.

 

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