Hat der Konservative eigentlich immer Recht?

#994 Man möchte meinen, daß die im Titel gestellte Frage, ob der Konservative eigentlich immer Recht hat, mit einem simplen „Ja“ zu beantworten ist.

Jahrelang, wenn nicht jahrzehntelang, haben wir die verstärkte Videoüberwachung von besonders gefährdeten Objekten oder Plätzen gefordert.

Da kam er aber, der Gutmensch, und schrie auf. „Niemals!“, „Das wäre ja noch schöner!“, „Überwachungsstaat!“ schallte uns entgegen und überhaupt wären wir von der CSU so eine Art Metternich II oder Big Brother aus „1984“ oder sonstwie böse.

Dann kam auch der beliebte Strohmann. Und das geht so: Erst wurde behauptet, wir hätten „Videoüberwachung reduziert Straftaten“ gesagt. Haben wir zwar nicht, aber was stört’s? Videoüberwachung senkt Straftaten nur in geringem Umfang, und zwar die nüchtern und kalten Blutes begangenen; der besoffene U-Bahn-Schläger läßt sich davon nicht abhalten – weil er grundsätzlich wenig denkt und an Kameras schon gar nicht.

Und dann wurde der angeblich gesagte Satz widerlegt. „Ätsch! Kameras verhindern keine Straftaten. Ihr seid doof!“ lautet, kurz gefaßt, die famose Replik der anderen. Und jetzt das…

Die Zeitung berichtet zähneknirschend, daß die Statistik ergibt: Videokameras erleichtern die Aufklärung von Straftaten – erstens – und, zweitens, Straftaten im öffentlichen Raum sind wirklich ein Problem; wir wissen das nicht erst seit den Übergriffen von Köln. Die Nürnberger Königstorpassage als Ort, an dem man beispielsweise seinen Nachwuchs nicht rumlaufen wissen will, sei als Beispiel dafür genannt, was wir als Stadt nicht dulden sollten.

Und auf einmal entdecken auch die anderen die Videoüberwachung als etwas, was zur öffentlichen Sicherheit wesentlich, ganz wesentlich beiträgt. Und wieder erleben wir etwas, was wir schon wirklich hinreichend kennen: Erst ist unser Vorschlag ganz böse, dann vielleicht nicht mehr ganz böse, aber immer noch Ausdruck unserer überholten Weltsicht, und schließlich und endlich ist die Idee vielleicht gar nicht so schlecht.

Hallo, du Welt da draußen: Ginge es beim nächsten Mal vielleicht ohne diese depperten Umwege? Die Täter, die dadurch erwischt werden, können dann eben nicht ohne Weiteres wieder einen harmlosen Zeitgenossen zusammenschlagen. Und das ist doch etwas.

Gleichzeitig sehen wir aber auch: Wieder einmal neigt die verbreitete Meinung nach langem Zögern unserer Meinung zu. Wie schon so oft. Die ganzen, ach so progressiven Kräfte geben am Ende zu, daß die Konservativen mal wieder recht gehabt haben. Das Scheitern der linken Gesellschaftsmodelle ist ja für jedermann locker erkennbar. Aber zieht der Michel daraus Konsequenzen? Nicht genügend.

Daran müssen wir arbeiten. Politisch: Haltung zeigen, Linie konsequent vertreten.

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