Söder aus der Nähe

#991 Gestern war mal einer dieser Tage, die einem, der Freude an Politik hat, Vergnügen bereiten. Erst traf sich die Landesgruppe, also die CSU-Abgeordneten im Deutschen Bundestag, in Nürnberg unter Bundesminister Alexander Dobrindt und Staatssekretärin Dorothee Bär zu einer Verkehrswegekonferenz; dann besuchte Michael Frieser MdB das Mehrgenerationenhaus in Schweinau; anschließend beendete ich – soviel privates und unpolitisches darf sein – einen mehrmonatigen Sitzungszyklus beim Zahnarzt und abends dann kam Markus Söder im engsten Kreis zu einem politischen Bericht.

Der Verfasser dieser Zeilen erlebt das nicht zum allerersten Mal – aber es ist doch immer wieder neu. Freilich hat niemand ständig nur Neues zu verkünden; das wäre auch nicht sehr seriös. Aber je nach politischer Großwetterlage wird doch einmal dieses, einmal jenes stärker betont. Gestern ging es um die Grundsätze unserer Politik, um langfristige Erwägungen jenseits des Alltagsgeschehens.

Vielleicht sollte den politischen Gegnern Söders einmal Gelegenheit gegeben werden, so eine Rede zu hören. Da wird nämlich aus Grundsätzen heraus ein Standpunkt entwickelt. Den kann man, je nach eigener Couleur, teilen oder nicht – aber man kann jedenfalls nicht sagen, wie es ja zuweilen geschieht, daß da keiner dahinter sei, sondern es nur ums Vorankommen ginge. Wer so denkt, dürfte immer wieder überrascht sein, wie Söder das Feuer aus Fragestellungen herausnimmt, zu Grundsätzen und zur Vernunft mahnt, nicht brachial, sondern mit einer zurückhaltenden Art und sehr wohl einer gesunden Portion Selbstironie das Geschehen nicht aus der Hetze des Tages, sondern aus distanzierter, nachdenklicher Perspektive betrachtet.

Wie oft wird einem Politiker das Stöckchen hingehalten, über das er springen soll: von der Presse, vom Bürger, vom politischen Gegner und auch vom politischen Freund. Und wie groß mag die Versuchung sein, darüber zu springen – und sich dann die Haxn zu brechen. Wenn man miterlebt, wie Söder seine Positionierung und seine Ansichten entwickelt und begründet, wird nicht mehr in der Lage sein zu behaupten, daß dies alles nur aus der Laweng heraus geschehe: Er ist längst einer derer, die eine – eine – Linie haben und diese Haltung hartnäckig vertreten. Er ist auch einer derer, die wissen, daß in der politischen Auseinandersetzung die persönlichen Angriffe nicht nur nichts bringen, sondern hinderlich sind.

Und auf die gleiche Art und Weise wird auch das seit gestern in der Öffentlichkeit diskutierte Thema, wer wo und wie im Bundeswahlkreis Nürnberg-Nord auf Dagmar Wöhrl folgen wird, behandelt. Denn es werden die Kandidaten für die Wahlen in Bund und Land, in Bezirk und in der Stadt Nürnberg aufgestellt werden, und alles gehört zusammen. Deswegen wird es nicht hier eine Einzellösung und dort keine Lösung, sondern eine gesamte, aufeinander abgestimmte Antwort geben. Und gut Ding will Weile haben.

 

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