Kampf dem Zeitgeist!

#987 Das Zentralorgan des Prantl-Schwurbelianismus und der Sublimation von arroganter Selbstgerechtigkeit, die Süddeutsche Zeitung, rühmt sich einer neuen Großtat: Die „Panama Papers“, die ohne den schicken Namen nicht einmal halb so sexy wären, gehen mit auf ihre Recherche zurück. Daß der Name eher von einer (nicht allzu teuren) Werbeagentur stammt, erkennt man schon daran, daß es ja eben keine PAPIERE sind, aber wen kümmert das schon?

Auch das Wort „Recherche“ sollte man lieber in Anfürhungsstrichen schreiben; viel mehr als Latrinenparolen sind da nicht. Irgendwie raunen irgendwelchen Typen von irgendwelchen Namen – aber was die getan haben sollen, weiß kein Mensch. Aber aufregen kann sich der Zeitgeist schon mal; der braucht nämlich nichts zu wissen, der will lieber ahnen und fühlen. So geht’s freilich auch.

Während uns die heutige Zeitung mal wieder mit einer „Restaurantkritik“ überrascht, in der an das vegetarisch-aryuvedische Loakl eine Heilpraktikerpraxis angeschlossen ist – kein Witz! – und etwa eine viertel Seite allen Ernstes über eine Todesanzeige (!) schwadroniert wird, was die Bigotterie herhält und überhaupt besser in einen „Wachturm“ als in eine Tageszeitung paßt – die Attitüde, daß man besser wisse, wie der Mensch zu leben habe, mit inbegriffen -, vergißt sie die realen Meldungen aus der Wirklichkeit. In Syrien zählen die Toten nach vielen Hunderttausend, und die Zeitung berichtet weniger darüber als über die Geschlechtsumwandlung einer Hollywood-C-Wannabeprominenz. Es gibt Tage, da kann der Espresso gar nicht stark genug sein.

Also prüfe man erst einmal, wer was wirklich getan hat, und am besten machen das die Finanzbehörden: dafür sind sie da. Aber ach, die glorreiche Süddeutsche Zeitung unter Gottvater Heribert Prantl will die Papiere nicht herausgeben. Gerüchte sind für eine Zeitung ihres Schlages eben interessanter als Tatsachen. Irgendwas wird schon hängen bleiben, nicht wahr? Vor allem regen sich im Moment die am lautesten auf, die nicht einmal wissen, was das ist. Aber es fühlt sich ja so gut an, der bessere Mensch zu sein.

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