Sollen wir das machen?

#986 Über’s Wochenende kamen wieder Vorschläge, die CSU solle sich auf ganz Deutschland ausbreiten und so von der AfD die vor allem von der CDU abgeworbenen Wähler wieder für das demokratischen Spektrum zurückgewinnen. Es wird geweissagt, daß die CSU Werte um die 20 % erringen könnte.

Ach ja? Nein. Sicher nicht. Und das aus vielen Gründen.

Die CSU verlöre ihr Alleinstellungsmerkmal

Die CSU ist die konservative Partei Bayerns. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist auch, daß sie auf Bayern begrenzt ist. Diese Begrenzung entstand zu einer Zeit, als Bayern nicht schick oder hip oder reich war, sondern rückständig und arm. Es ist nicht die Begrenzung des Gartenzaunnachbarns, sondern die Begrenzung dessen, der Identität und Eigenheiten schützen will und der emotionalen wie intellektuellen Überzeugung ist, daß politisch nicht alles eine bundesweite Einheitssache sein muß.

Die CSU würde unwiderstehlich für: die Falschen, jedenfalls auch

Jede Parteineugründung zieht sie an: Die zu kurz Gekommenen, die Unberücksichtigten, die Weltenretter, die allzu Sendungsbewußten, die Mißverstandenen, die Karrieristen. Freilich: Es kommen schon auch welche, die ernstlich mitarbeiten wollen. Aber es kommen eben immer auch die anderen, und davor ist man kaum gefeit. Die CSU außerhalb Bayerns? Möglicherweise ein Sammelbecken von Menschen, die eben in Bayern in der CSU nicht an- und vorankämen.

Die CSU verlöre Bayern

An jenem Tage, an dem die CSU sich über Bayern hinaus ausdehnte, käme die CDU nach Bayern. Und natürlich wäre das ein Wettbewerb im eigenen Lager. Eine fiktive „CDU-Bayern“ würde hierzulande freilich nicht wirklich viel erreichen können – aber wehtun würde sie uns schon. Und dann könnte die Situation entstehen, daß alle anderen zusammen mehr Stimmen hätten als eine fiktive „Bundes-CSU“ in Bayern noch bekommen könnte.

Jeder der genannten Gründe wäre schon für sich genommen Grund genug, derlei nicht zu machen. Viele andere kommen noch hinzu. Aber darüber hinaus würde solcherart der Zweck nicht erreicht werden. Die Ein-Themen-Parteineugündung AfD hat derzeit ihre Erfolge dort, wo die CDU von ihrem Fundament abgerückt ist – und eben gerade dort nicht, wo die CSU steht. Es kann nicht von der CSU gerichtet werden, was die CDU-Parteivorsitzende mit der CDU macht. Wer das glaubt, der glaubt auch an die Zahnfee.

Wir machen das nicht. Es wäre zur größten Freude unserer politischen Gegner, das Erfolgsmodell CSU zu zerstören. Weil sie es nicht schaffen, sollen wir es selber tun? Ach nein.

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