Satire darf sein – Der Konservative ist liberal

#983 Das Verhalten dieses Möchtergernsultans zeigt nicht nur, wie weit diese türkische Regierung hinter allem zurück steht, was in der EU wichtig ist – und weswegen eine so geführte Türkei schon kulturell nicht in die EU paßt. Von anderen Gründen einmal ganz abgesehen. Aber auch hierzulande wird gerne diskutiert, was Satire darf. Die Antwort ist einfach: alles.

Denn wenn es einen gäbe, der entscheiden dürfte, was man darf und was nicht, hätten wir Zensur. Und die brauchen wir nicht. Die wollen wir nicht.

Natürlich kann man es auch mit der Satire übertreiben. Man kann mit Satire Werte und Personen herabsetzen, bei denen das nicht sein sollte, oder jedenfalls nicht auf diese und jene Art. Aber als Abwehrmittel braucht man nicht das Gesetz. Man muß nämlich nicht alles per Gesetz regeln.

Im Gesetz steht nicht, daß man den Nachbarn grüßen muß, daß man Zeitung liest, daß man wählen muß, daß man am öffentlichen Leben, an der res publica Anteil nimmt. In ähnlicher Weise muß auch im Gesetz nicht geregelt sein, daß man Grenzen des Geschmacks und des Anstands in satirischer Arbeit nicht überschreitet. Und wenn’s dann einer doch tut? Dann macht das so viel wie wenn einer den Nachbarn nicht grüßt: Er zeigt seinen schlechten Benimm; das war’s.

Es ist der Konservative, der liberal ist – und es ist oft genug die ach so fortschrittlich daherkommende Kraft, die zutiefst illiberal ist. Woran man schon mal eines sieht: Wer Satire fürchtet, wird einen Grund für seine Furcht haben. Nicht fürchten muß sie der, der auf einem soliden Fundament von Werten steht.

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