Jetzt mal im Ernst…

#972 Gerade weil die Zeiten schwierig sind, muß Raum zum Lachen sein. Wir dürfen über die Probleme, die uns drücken, nicht vergessen, wer wir sind. Markus Söder, als oberster Verwalter der bayerischen Schlösser, Gärten und Seen auch Hausherr über die Nürnberger Kaiserburg, ließ einen seiner erfolgreichsten Betriebe, das Hofbräuhaus, wieder ein Bockbier brauen und im Rittersaal zum Ausschank bringen.

Es kam tout Nürnberg: Fast alle Referenten der Stadt – auch ein gutgelaunter SPDler und ein Grüner waren gesehen –, MdB, MdL, der Staatsminister Dr. Justiz Prof. Dr. Winfried Bausback, Staatssekretär Albert Füracker, sogar ein „Pirat“ kam. Vertreter der Wirtschaft, der Verbände, der Kommunalpolitik: Sie alle kamen, und sie lachten. Denn da war Wolfgang Krebs, und der Kabarettist hatte reichlich Tunke dabei, in die fleißig tauchte – vor allem freilich den Hausherrn, und der konnte erkennbar gut damit erleben. Auch wenn Menschen, die ihre Sozialisation außerhalb Bayerns erfuhren, das nie so richtig verstehen werden: Es gehört bei uns dazu, daß gerade diejenigen, die viel Respekt und Anerkennung erfahren, auch einmal vorgeführt werden. Das hilft beim Maßhalten. Aber kaum war der Abend zu Ende, und die Muskulatur konnte sich entspannen, kam die Wirklichkeit zurück.

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Michael Frieser, Bundestagsabgeordneter für Nürnberg-Süd und Schwabach, stellt in der Nürnberger Zeitung von heute fest: „[Die Bundeskanzlerin] hat Deutschland ein Stück weit in Europa isoliert.“ Und: Die EU hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Und: „Die Sicherung der Außengrenzen … hätte vor Monaten kommen müssen. Deshalb sind wir erpreßbar.“ „Es wird und kann in absehbarer Zeit keinen Beitritt der Türkei zur EU geben“. „Es zeigt sich, daß wir [in der EU] von einer Wertegemeinschaft noch nie so weit weg waren wie im Augenblick.“ „Und interessanterweise hat sich ja, obwohl die Bundeskanzle­rin das Gegenteil behauptet, die Welt genauso verändert, wie das die CSU am Anfang vorhergesagt hat“. „Angela Merkel … fährt lediglich auf Sicht.“

Als Worte eines – direkt gewählten! – Bundestagsabgeordneten, der derselben Fraktion wie die Bundeskanzlerin angehört, sind solche Worte ernst zu nehmen. Wir erleben derzeit, daß die Bundeskanzlerin in einer unwürdigen Potjemkinschen Dörfer-Show die Realität des vergangenen Wahlsonntags schönzureden sucht. Sie wird und muß sich aber mit der Kritik, die ihr aus den ureigensten Reihen entgegenschallt, auseinandersetzen. Sonst geht da einmal etwas richtig schief.

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