Kabale und Liebe?

#965 Und wieder sind die Zeitungen befleißigt, uns dieses und jenes vom Bayerischen Hof, vulgo Staatskanzlei, zu vermelden wie Wasserstandsmeldungen vom letzten Donau-Hochwasser. Es beschleicht einen jedoch der Eindruck, daß da viele Meldungen nur hochgejazzte Leere sind.

Der Herr Ministerpräsident habe kritisiert, und damit habe er bestimmt den Markus Söder und die Ilse Aigner gemeint, steht zu lesen. Nun ja. Der Ministerpräsident, der selbst stets die Ansicht vertritt, daß man etwaige Personal- und Taktikgespräche hinter verschlossenen Türen führen soll, hat damit freilich in jeder Hinsicht Recht.

Aber vergessen werden darf so manches nicht. So gibt es bei einigen, vielleicht vor allem außerhalb der CSU, die Meinung, daß Horst Seehofer seine beide Ämter – das des Ministerpräsidenten und das des CSU-Vorsitzenden – an irgend einen Nachfolger übergeben würde, wenn es denn so weit sei. Das ist ein seltener Dummfug, und es scheint eher einem vordemokratischen Denken verhaftet zu sein und uns im Freistaat für ein wenig arg von König-Ludwig-Romantik erfaßt zu halten. Aber ach, beides trifft doch nicht zu.

Weder der bayerische Ministerpräsident noch der CSU-Vorsitzende haben irgend ein Amt inne, über das sie selbst verfügen könnten. Diese Annahme, wohl beim SPIEGEL ersonnen, ist zwar sonnig, aber falsch. In der Demokratie – und Bayern war schon eine, als es die Bundesrepublik noch nicht gab; uns muß hier niemand belehren – hat man Ämter erstens vom Volk und zweitens nur auf Zeit: in einem befristeten Vertrag, sozusagen.

Zum einen ist das klar geregelt, für wie lange man gewählt wird: Im Freistaat bis zum Ende der Legislaturperiode, in der Partei CSU im Zwei-Jahres-Rhythmus. Weitere Wahlvorgänge unterbrechen weder die Legislatur noch den Zwei-Jahres-Rhythmus, ändern also an der Sache nichts.

Worüber also reden wir? Über die von Unkenntnis getragene Idee eines Journalisten, der aus seiner dünnen Plörre einen dicken Eintopf zu machen strebt.

Wer wen als Nachfolger will und nicht will, mag für den einen oder anderen Delegierten beim CSU-Parteitag oder für den einen oder anderen MdL bei der Ministerpräsidentenwahl von Bedeutung sein; für die meisten ist es das sowieso nicht. Man sucht und schaut, wer derjenige ist, auf dem nicht nur CSU drauf steht, sondern auch CSU drin ist; der für das Land eine erfolgreiche Arbeit glaubhaft verspricht, und wer der Partei CSU eine kluge Führung verspricht. Und den werden sie dann wählen.

Manche sähen Horst Seehofer gerne in der Rolle des Winters im Osterspaziergang in Goethes Faust:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes …

Einem Zeusschen Götterbilde gleich, sähen manche Damen und Herren Redakteure gerne ein heldisches Epos im Olymp geschehen; aber ach: sie werden enttäuscht werden. Es wird eine ganz brave Übergabe der beiden Ämter werden, und zwar von Horst Seehofer an das Parlament und an die CSU-Parteitagsdelegierten. Und dann wird von ihnen und, bezüglich des Ministerpräsidentenamts auch von den Landtagsabgeordneten, entscheiden werden. Ende der Geschichte.

Sie scheinen uns zu verwechseln: Wir sind nicht die, für die sie uns halten. Wir sind eine politische Partei, in der Vernunft eine tragende Rolle spielt. Und außerdem ist das Ergebnis eh schon klar…

 

Advertisements