1. Gestern im TV 2. StUB

#964 1.: Gestern lief im Ersten „Hart aber fair“: Die gestrige Sendung war doch einigermaßen zum Abgewöhnen. Der Zickenkrieg zwischen Frau Barley (SPD) und Frau Peter (GRÜ) wäre eher etwas für den Kinderkanal Nickelodeon gewesen. Herr Tauber war ein wenig mit Lavieren beschäftigt. Und Herr Bartsch von der sich heute „Die Linke“ nennenden SED darf hier ignoriert werden.

Bleibt einer, der erstens sich nicht selbst widersprach – in dieser Runde schaffte das wirklich nur einer. Der zweitens keine törichte, sondern eine kluge und den Anforderungen auch der Humanität gerecht werdende Haltung vertat: Markus Söder. Der Verfasser dieser Zeilen würde ja gerne mal anhand eines praktischen Beispiels zeigen, daß er nicht unbedingt und automatisch die Södersche Politik unterstützt, um seine Unvoreingenommenheit zu belegen – aber ach, wenn’s nichts zu meckern gibt, dann gibt’s nichts zu meckern.

Solange keine europäische Lösung der Frage des richtigen Umgangs in der Flüchtlingskrise da ist, müssen nationale Lösungen vorerst her. Es kann nicht sein, daß Deutschland 400mal so viele Flüchtlinge aufnimmt wie Frankreich. Die Türkei darf für ihre rechtsstaatlichen Vollaussetzer und ihr Verhandlungsgeschick nicht durch eine Mitgliedschaft in der EU belohnt wären; es wäre absurd, die horrende illegale Einwanderung nach Deutschland durch eine nicht minder schwierige Einwanderung zu ersetzen, die man aufgrund einer Art Erpressung durch den türkischen Demokratieverweser legal machen müßte. Die Wahrheit liegt an der Grenze.

Wie die Damen der Runde mal sich selbst und gegenseitig beharkten, mal den Moderator, wie sie sich an Markus Söder abarbeiteten und doch keinen Treffer zu landen wußten, war schon erstaunlich zu sehen. Der SPD möchte man eine Aufnahme der Sendung schicken, um sie auf Kursen zu zeigen: „Wie man es im Fernsehen nicht machen soll – am Beispiel von Katarina Barley“. Frau Barley hat in ihrer Warmlaufphase als SPD-Generalsekretärin die eigene Klientel noch nicht so recht zu begeistern, die gegnerische Klientel noch nicht so recht zu erschrecken gewußt. Die SPD hat derzeit auch personell kein Glück.

Frau Peter von den Grünen mag eine kluge Person sein oder auch nicht; das kann von hier aus nicht beurteilt werden und entzieht sich auch dem, worüber hier geschrieben werden soll. Daß es ihr aber nicht gelingt, in Fernsehdebatten klug zu wirken, ist schon eher Gegenstand des hier erörterten Topos, und einmal mehr fragt man sich, was diese Zeitgenossin für ihr hohes Amt befähigt: Sie ist allen Ernstes Vorsitzende der Grünen. Nun ja: Mit Kassengift ist diese Partei gesegnet, man denke nur an Anton „Ich hab‘ die Haare schön“ Hofreiter…

Dann war da noch Peter Tauber, Generalsekretär der CDU. Im Moment keine besonders einfache Aufgabe, die Tauber zu erfüllen hat: Seine Parteivorsitzende Angela Merkel hat als Bundeskanzlerin ihre Politik der unkontrollierten Einreise nach Deutschland für jedermann geändert – „weiterentwickelt“, wie Markus Söder höflich sagt. Die Politik der CSU, um auch das mal deutlich zu sagen, setzt sich durch – und zwar einfach deswegen, weil sie richtig und, liebe Frau Merkel, auch aus Vernunftgründen „alternativlos“ ist. Der Herr Tauber hatte nun die Aufgabe, den Kurswechsel seiner Chefin als Stringenz zu präsentieren. Was man halt als Generalsekretär zu machen hat. Nicht immer schön, aber bitte: Niemand hat einem an der Wiege versprochen, daß es im Leben nur und ausschließlich schön zugehen wird.

Was bleibt? Eine Runde, die durch einen nicht recht passenden Reporter aus Brüssel auf ein Abschiedslied auf die EU eingestimmt wurde, das der zwar gerade nicht singen wollte, aber so kam es hier an. Eine Runde, in der die SPD ein schlechte Figur machte und der Schlingerkurs von Sigmar Gabriel wieder einmal deutlich wurde. In der die Grünen sich wieder einmal als nur begrenzt politikfähig erwiesen, nach dem Motto: „In der Opposition muß man wenigstens nicht zeigen, was man kann“.

Und einer, der irgendwie nicht so wirklich zu diesen teils kindischen Mitdiskutanten passen wollte, weil er seinen Standpunkt geradlinig, ernsthaft und verantwortungsbewußt ausarbeitete. Auf dem Weg aus dem Studio müßte Markus Söder sich eigentlich gefragt haben, ob manche andere nicht guten Willens oder nicht kompetent sind.

2. StUB

Die Erlanger haben entscheiden; das ist so oder so zu akzeptieren (und wird hier sehr gerne akzeptiert). Besonders erfreulich ist, daß der versuchte Trick, mit einer blöden Fragestellung zu gewinnen, so richtig fies in die Hose gegangen ist. Dem Erfinder dieser Frage, auf die man „Ja“ antworten mußte, um „Nein“ zur StUB zu sagen, ist mitzuteilen, daß er alleine wegen des Versuchs dieser Trickserei zu Recht eine auf den Deckel bekommen hat.

Dank auch an den bayerischen Minister des Innern, für Bau und – Achtung! – Verkehr Joachim Herrmann, der stets für die StUB eintrat und sich damit durchsetzen konnte. Warum einige dagegen waren, wird hier nicht wirklich verstanden. Die Behauptung der Angst vor Kosten wird hier nicht so recht geglaubt. Erstens profitiert Erlangen auch in erheblichem Maß von seinen Nachbarstädten, so etwa von Nürnberg mit ICE-Knoten, Flughafen, Messe, Kaiserburg. Wegen Deutschlands ältestem Eisenbahntunnel kommen jedenfalls nicht allzu viele Touristen nach Erlangen… Studenten leben im Ballungsraum in dieser Stadt, aber studieren in jener. Menschen arbeiten dort, leben aber hier. Und so weiter. Erlangen darf sich anbequemen, in dieser Gemengelage nicht die unbeteiligte Jungfer zu spielen, die nicht berührt werden will. Der Entschluß der Erlanger Bürger – und es stört mich dabei gar nicht, daß die Erlanger SPD sich pro StUB positioniert hat – ist richtig. Hoffentlich geben einige alte Herren, die dagegen waren, ihre destruktive Haltung nun auf und arbeiten jetzt endlich daran mit, daß der Ballungsraum mit einer gut geplanten StUB endlich zusammenwächst.

 

Bild: © Hart aber fair http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/

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