Schocken

#959 Wie es geht und wie es nicht geht, konnte man zuletzt wieder am Schocken sehen, wie das Gebäude am Aufseßplatz in Nürnberg genannt wird. Der Name kommt vom Kaufhaus Schocken, das hier einst stand. Daß das zwischenzeitlich „Merkur“ hieß und dann „Kaufhof“, hat in der Nürnberger Stadtgeschichte nicht so nachhaltige Spuren hinterlassen.

Und jetzt werden wir wieder die Richtigkeit des geflügelten Wortes „Der Erfolg hat viele Väter“ erleben. Aber ach, wer sich einen klaren Blick bewahrt hat, der sieht schon, was war.

Da waren zum Beispiel jene Zampanos, die gleich eine mit Pflanzen begrünte Außenfassade, eine Unzahl von – natürlich kostenlosen – Räumen für Wichtiges oder für Schmonzes forderten, und überhaupt dürfe der neue Investor damit kein Geld verdienen, denn das sei schändlich. Natürlich haben daraufhin frühere Investoren so schnell das Weite gesucht, so schnell die Füße trugen: Auf eine Narretei muß man keine Lust haben, wenn man Millionen investiert.

Um derlei Unfug für die Zukunft zu vermeiden und dem Gebäude ein desaströses Ende mit irgendwelchen „kreativen Zwischennutzern“ zu ersparen, die außer Sperrmüll nicht viel produzieren, sich aber für eine bessere Sorte Mensch zu halten scheinen, denn ohne das Wort „kreativ“ steigen sie nicht mal aus dem Bett – um also all dies zu vermeiden, hat Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas eben nicht öffentlich kaputtverhandelt, sondern zielgerichtet und leise mit dem Investor – Edeka – gesprochen und erst dann die Öffentlichkeit informiert, als etwas zum Informieren da war. So macht man das.

Es war natürlich zu erwarten, daß jetzt SPD-Stadträte, die sich für Wirtschaft zuständig fühlen – wenn ihnen bloß mal jemand sagt, wo das ist –, notgedrungen gratulieren müssen, aber dieses Lob gleich wieder vergällen, indem sie mosern, daß das doch schon viel früher hätte passieren können…

Nein, hätte es nicht. Und wer sich auf die Suche macht, welche Weisheiten die Nürnberger SPD rund um den 2012 geschlossenen Kaufhof zu bieten hatte, der darf sich erstaunt die Augen reiben:

Der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende und SPD-Unterbezirksvorsitzende (so heißt das bei denen) Christian Vogel, heute Bürgermeister, kündigte an, daß sich die „SPD auch selbst mit der Zukunft des Kaufhauses befassen wird“. Und danach fiel das Ergebnis ja auch aus.

Natürlich war es wieder die CSU, die durch reale Arbeit für den Kaufhof einen guten Nachfolger gefunden hat. Der Kaufhof wird abgerissen: Wohlan; man kann niemandem zumuten, Millionen mitzubringen und diesen Kasten weiter nutzen zu müssen. Ein Neubau wird nicht nur für die Südstadt, sondern für ganz Nürnberg einen wichtigen Impuls setzen. Es kommt offensichtlich die beste denkbare Lösung. Da könnte man doch auch mal parteiübergreifend sagen: „Danke, Michael“. Übrigens hatte der Wirtschaftsreferent Michael Fraas durchaus Unterstützung: durch Michael Frieser.

Frieser, der Bundestagsabgeordnete für den Nürnberger Süden, dazu: „Jetzt zeigt sich, dass die Fördergelder vom Bund ihre Früchte tragen. Nach jahrelangem Einsatz für den Stadtteil freut es mich, dass die Südstadt nun eine neue Perspektive hat. Die Wiederbelebung des Kaufhofareals verleiht ihr einen kräftigen Schub, der die Anziehungskraft für neue Betriebe im Umfeld stärkt. Die Südstadt hat damit die Chance auf eine neue, attraktive Mitte.“

So macht man es. Und wie man es nicht macht, kann jeder an der Quelle sehen.

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