„Code Pink“: Die Schande von Bayreuth

#955 Wilhelmine von Bayreuth war eine ungewöhnliche Frau. Statt, wie es ihre Mutter plante, mit dem König von England verheiratet zu werden, ehelichte sie Friedrich von Brandenburg-Bayreuth und zog mit ihm in die Hauptstadt Oberfrankens. Dort lebte sie ein bemerkenswertes Leben, das im Jahr 1758 friedlich endete.

Ihren Namen, Wilhemine von Bayreuth, trägt ein Preis für Toleranz, den die Stadt Bayreuth seit 2008 jährlich vergibt. Preisträger waren etwa Hassan ibn Talal, Klaus Töpfer oder Daniel Barenboim. Und nun ist etwas passiert.

Es gibt in Amerika eine Organisation, die sich friedlich gibt und so tut, als könne sie kein Wässerchen trüben. Sie beschreibt sich selbst als von Frauen gegründet, aber es sei Männern erlaubt, mitzumachen. Vielleicht um einem müden Klischee zu entsprechen, nennt sie sich „Code Pink“.

„Code Pink“ hat, wie jeder lesen kann, der lesen will, zwei Gesichter. Zum einen beschreibt sich diese Organisation selbst als „Graswurzelbewegung für Frieden und soziale Gerechtigkeit, die US-basierte Kriege und Besatzungen beenden, Militarismus global herausfordern, Ressourcen in Gesundheitsvorsorge, Erziehung, grüne Jobs und andere lebensbejahende Aktivitäten umleiten“ will. Na, denn man tau. Grüne Jobs als Stütze gegen Kriege? Das hilft so sicher wie die Lektüre von Horoskopen gegen die kosmische Hintergrundstrahlung, aber jeder nach seiner Art.

Wäre es an dieser Stelle vorbei, dann könnte man über die Preisverlehung an „Code Pink“ lachen, besser: lächeln, und zum nächsten Thema übergehen. Aber nein, so ist es nicht.

„Code Pink“ mag Israel nicht. Na gut, keiner muß Israel mögen; warum auch. Es muß ja auch keiner Dänemark lieben oder Macau oder Neuseeland. Aber viele, die sich selber – wie „Code Pink“ – als „israelkritisch“ bezeichnen, sind nicht „israelkritisch“ sondern nur auf eines aus: auf die Vernichtung des Staates Israel.

„From the river to the see, Palestine will be free“: „Vom (Jordan-)Fluß bis zur See, Palästina wird frei sein“, forderte „Code Pink“ auf einer eigenen Veranstaltung 2015: dann wäre kein Israel mehr. Ob übrigens die Palästinenser deswegen frei wären, ist noch eine ganz andere Frage; die meisten fühlen sich unter israelischer Verwaltung viel freier als unter palästinensischer; sie werden auch nicht an Baukränen aufgehängt, wenn der Obrigeit etwas nicht gefällt. Die Zeitgenossen von „Code Pink“ grölten auch: „Hitleryahu you will see, Palestine will be free.“ – hierbei hat man den Namen Hitlers mit dem des israelischen Premierministers Netanyahu vermengt.

„Code Pink“ unterstützt auch „BDS“. Das sind die Leute, die „Kauf nicht beim Juden“ propagieren wie einst Julius Streicher und die in merkwürdigen „Uniformen“ in Geschäfte gehen, um zu „prüfen“, ob dort israelische Produkte verkauft werden. Dumm nur, daß diese lächerlichen und verbrecherischen Hanseln sich Tag für Tag auf israelische Produkte – beispielsweise in ihren Mobiltelefonen – verlassen, um ihren Antisemitismus auszuleben.

Zu diesem Haß, den sie selber als „israelkritische“ Haltung gedeutet haben wollen, kommt eine fürchterliche Nähe zur Hamas. Das ist jene Mörder- und Verbrecherorganisation, die Gaza regiert und terrorisiert. Die junge Menschen an Kränen aufhängt, weil sie zu laut Musik gehört haben oder Sex hatten oder schwul sind oder oder oder. Das scheint „Code Pink“ nicht so zu stören.

Was für ein Glück für die „Israelkritiker“ von heute, daß es zur Zeit des Nationalsozialismus noch keinen Staat Israel gab. Die Zeit des Nationalsozialismus endete 1945, der Staat Israel wurde im Jahr 1948 gegründet. Wäre dies anders, dann hätte sich die NSDAP wohl auch „israelkritisch“ genannt. So läßt sich der unbändige Haß mit dem hübsch klingenden Wort „kritisch“ überdecken. Und mancher glaubt’s.

So glaubt das beispielsweise der Stadtrat von Bayreuth, der über die Mahnung der Oberbürgermeisterin Merk-Erbe hinweg die Verleihung des Toleranz-Preises bekräftigte. Ein Toleranz-Preis für die Intoleranten? Es ist pervers, im Sinne des Wortes: durchgedreht. Bayreuth beschädigt den eigenen Namen und den des Preises.

Ein Satz, der zeigt, wie „Code Pink“ wirklich ist, aus dem Mund ihrer Gründerin – gesprochen an eine Mutter, deren Sohn im Irak-Krieg starb: „Ihr Sohn hat es verdient, im Irak zu krepieren, wenn er dumm genug war, dorthin zu gehen“. So sieht Menschenverachtung aus. Und darauf den Preis der Wilhelmine von Bayreuth, den Preis für Toleranz?

Wilhelmine schrieb in ihren Memoiren: „Wie blind sind wir Menschen doch, dass wir über die Fehler anderer sticheln, während wir uns über die unseren keine Gedanken machen!“

Diese Verleihung ist das Ende des Preises, denn niemand wird nach „Code Pink“ noch diesen Preis annehmen wollen. Es ist das vorläufige Ende der Bemühungen einer Stadt, die gegen den Ruf kämpfte, ein Hort der Intoleranz gewesen zu sein. Die Bemühungen können eingestellt werden.

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