„Wählt SPD!“, …

#953 …ist anscheinend der Wahlspruch der Nürnberger Nachrichten. Anders kann man den heutigen Kommentar „Populismus gegen Pragmatismus“ von Andreas Franke nicht lesen.

Es fängt nicht erst bei den Inhalten an, sondern bereits bei der Sprache. Beim Herrn Oberbürgermeister werden sprachliche Zusammenhänge der Wertschätzung gebracht. Beispiel gefällig? „Polarisierung gegen Problemlösung“, Söders „Deutung ist negativ, wenn es um Neubürger geht“. Hier sehen wir die Sprachwerkstatt besonders deutlich: Asylbewerber und Flüchtlinge sind keine „Neubürger“, denn sie werden eben keine „Bürger“ – also nehmen die deutsche Staatsbürgerschaft nicht an, sondern erhalten Asyl oder stehen unter dem Flüchtlingsstatus der Genfer Konvention. Aber „Neubürger“ klingt so hübsch und nett; was kümmert es da einen, daß das Wort sachlich falsch ist, wenn man den Söder in einen Gegensatz dazu packen kann? Sachliche Fehler stehen dem sicher nicht im Wege, wenn man bei der NN schreibt…

Söder wird alles mögliche unterstellt, beispielsweise: „der so gerne den Bundespolitiker gibt“. Der Verfasser dieser Zeilen hier erfreut sich der Tatsache, ab und an mit dem genannten Herrn Minister einen kleinen Austausch zu pflegen, und es ist sicherlich nicht indiskret, der NN über diesen Weg mitzuteilen, daß bundespolitische Ambitionen eher nicht zu bemerken wären. Aber die NN meint wie üblich, daß Unterstellungen wohl angemessen sind. Nun denn: Das sagt mehr über sie aus als über Söder.

Ein hübsch perfides Zitat: „Söder behauptet, Merkel/Deutschland spaltet mit seiner/ihrer Politik Europa“. Lassen wir mal die sprachliche Holprigkeit dieses Schrägstrichsatzes außer Betracht / obwohl er eine nähere Betrachtung durchaus verdient hätte. Hihi. Wenden wir uns dem Inhalt dieses Satzes zu. „Söder behauptet,…“? Bis auf Luxemburg unterstützt kein – nochmals: kein – europäischer Staat die Flüchtlingspolitik Angela Merkels. Der EU-Gipfel scheiterte. Das wurde aufgrund des kurz zuvor in der Türkei geschehenen Anschlags nicht so deutlich kommuniziert, weil eben die Türkei ein wesentlicher Teil der Merkelschen Politik in dieser Hinsicht sein soll. Aber gescheitert ist er, der Gipfel. Sogar die Österreicher, noch vor einem Vierteljahr die (auch damals schon fast einzigen) Verbündeten dieser „Politik“, sind davon weit abgerückt und machen nun das Gegenteil: 80 Flüchtlinge am Tag nehmen sie jetzt noch auf. (Es geht jetzt nicht darum, diese sehr niedrige Zahl zu thematisieren, sondern darum, den NN-Kommentar von Andreas Franke auf sprachliche und inhaltliche Inkonsistenz zu prüfen). Noch einmal, Herr Franke: Söder „behauptet“? Behaupten Sie etwas anderes? Ist es nicht wahr, daß Frankreich, Italien, Österreich, Schweden, Dänemark, die Niederlande, Belgien weit von der Merkelschen Politik abgerückt sind, sofern sie überhaupt dabei waren? Ist es nicht so, daß die mittelosteuropäischen Staaten diese Politik nie unterstützten?

Noch einmal: Hier geht es nicht darum, wie dieser heftige Streit „alle gegen Deutschland“ inhaltlich zu bewerten ist, sondern darum, daß Herr Franke beliebt, diesen für jeden klar ersichtlichen Sachverhalt als „Behauptung“ Söders darzustellen.

Wieder einmal darf bemerkt werden: Wenn Markus Söder über’s Wasser liefe, dann würde die NN lediglich vermelden, daß er nicht schwimmen könne.

So geht’s weiter. Im Zuge des Söder-Bashing wird sogar die deutsche Ausgabe der Huffington Post bemüht, was eo ipso nicht eben eine besonders wertvolle Quelle darstellt. Aber so schafft man Scheinwirklichkeit: Das eine (leicht links positionierte) Blatt zitiert das andere (leicht links orientierte) Blatt, und so immer munter weiter, bis der Leser am Ende glaubt, daß es nur diese eine Meinung gäbe, der man sich dann anschließen müsse, schon mangels Alternative. Aber nö, so isses nich.

Während es über den Nürnberger Oberbürgermeister wörtlich heißt: „Das tut er sachlich“, steht dort über Markus Söder zu lesen: „Es stimmt eben nicht, wie er behauptet, dass ‚aus einer Willkommenskultur eine tiefgreifende Besorgniskultur geworden‘ ist.“ Wie kann ein Journalist so etwas schreiben? Wie kann man so hanebüchen die Wirklichkeit übersehen?

Obacht: Hier geht es wieder nicht darum, ob all diese Besorgnissse einen realen Hintergrund haben oder in welchem Ausmaß. Gerade letzteres dürfte umstritten sein. Hier geht es nur um die Aussage der NN und des Herrn Franke, ob die Södersche „Behauptung“ (beim OB heißt das: „er weiß“) falsch ist. Und davon kann sich jeder doch selbst ein Bild machen; dazu muß man nicht die ach so gescheiten Kommentare in der Zeitung lesen. Dazu kann man auf CSU-Ortsverbandssitzungen gehen. Oder, ja, auch auf solche der SPD. Oder in die Kneipe um die Ecke. Oder in den Sportverein. Oder in die U-Bahn und den Menschen zuhören. Da ist schon reichlich viel guter Wille da, aber eben auch viel Unmut, viel Besorgnis. Die Wahlen, sehr geehrter Herr Franke, werden für die Demokratie nicht gut sein. Und wer bestreiten will, daß das an einsamen Entscheidungen aus dem Bundeskanzleramt liegt, die ohne Rechtsgrundlage getroffen wurden, der hat eine getrübte Sicht auf die Realität. Der Journalist sei kein Schönschreiber, er sei ein Beschreiber. Und der Politiker erst recht.

Aber zum Glück gibt’s ja diesen Blog.

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