Wenn’s doof oder böse wird. In eigener (?) Sache.

#951 Der Mensch spielt und staunt ganz gerne. Auch aus diesem Grunde ist die tägliche Zeitungslektüre immer wieder auf’s neue spannend. Information und Meinung, zustimmungsfähiges und anderes; es gibt da eine ganze Menge. Die Bandbreite der Erkenntnisse und Gefühle, die einen beim Zeitungslesen ereilen, ist groß. Besonders aufmerksam wird der Mensch als solcher, wenn er seinen Namen in der Zeitung liest.

So mag das heute einer Stadträtin der Grünen gehen. Sie mag eine gedankliche Darstellung nicht, die die Sorge vor dem Einreissen von manchen Sitten wie sie etwa in Syrien bestanden, ausdrückt: Das sei „schädlich“, sagt sie. Ach. Wieso denn „schädlich“? Wem oder was schadet das? Ist der Hinweis auf potentiell schlechte Entwicklungen denn etwas „Schädliches“?

Wir haben Entwicklungen, die nicht gut sind. „Taharrush gamea“, wie das entfesselte Treiben eines wüsten Mobs in Köln und einigen anderen Städten in der Silvesternacht, das man aus Ägypten kennt, genannt wird, ist eine solche schlechte Entwicklung. Die Tatsache der Attentäter von Paris, von denen einige getarnt als Flüchtlinge nach Deutschland und Europa eingereist sind, ist eine schlechte Entwicklung. Daß wir keine Ahnung haben, wer ins Land kommt, ist eine schlechte Entwicklung.

Und deswegen gilt: „Wir werden auch nicht ein erratisches, irrlichterndes Hüpffestival zur Begeiferung unserer ach so hochstehenden Moral inszenieren. Politik ist nicht die Kunst des Wünsch-dir-was, sondern die Kunst des Machbaren. Asyl und Sicherheit für Flüchtlinge können wir bieten und wollen wir bieten – und sind dabei durchaus bereit, uns anzustrengen, aber sind eben nicht bereit, uns dabei zu überfordern.

Wir wollen nicht, daß aus Gostenhof eine Art Aleppo wird. Und bevor jetzt manche einwenden, daß diese Entwicklung aber schon weit gediehen sei: Dann zeigt uns eben die aktuelle Entwicklung, wo wir eingreifen müssen. Es kann und darf nicht sein, daß Menschen, die zehn oder zwanzig Jahre oder noch länger in Deutschland leben, über die Sprachkompetenz eines Vierjährigen verfügen. Es kann und darf nicht sein, daß Menschen, die – ob sie nun auf Dauer oder nicht bei uns und mit uns leben – die keine Sozialkompetenz haben, bei uns das Miteinander bestimmen und beeinträchtigen.“

Und so einfach geht Sinn für die Realität: das Notwendige im zumutbaren Maß tun, und das Unzumutbare lassen. Es ist doch so, daß manches natürlich dieser Gesellschaft, diesem Staat unzumutbar ist. Köln – „taharrush gamea“ – ist unzumutbar. Terroristen unter der Tarnung als Flüchtling: unzumutbar. Die Verweigerung der kulturellen, sprachlichen Einordnung (nicht: unter) in diese Land, in diese Leitkultur ist unzumutbar. Männer, die ihre Frauen schlechter behandeln als einen Radiowecker: unzumutbar. Und es komme hier niemand mit igrendeiner Ausrede à la „althergebrachten Sitten“; das war es hierzulande auch mal.

Es ist eben nicht wahr, wenn man so täte, als gäbe es diese Probleme nicht: es gibt sie. In der Verweigerung der Zurkenntnisnahme, daß es in der Wirklichkeit eine Villa Kunterbunt eben nicht gibt, liegt nicht die Lösung. Die Schritte, die politisch zu gehen sind, befassen sich einerseits mit denen guten Willens, die sich um die deutsche Sprache bemühen, hier versuchen anzukommen – auch im übertragenen Sinne, die den manchen offensichtlich gleichgültigen jüdisch-christlichen Wertekanon vielleicht anzunehmen, jedenfalls zu akzeptieren bereit sind. Und diese politischen Schritte umfassen natürlich auch jene, die eben nicht guten Willens sind.

Und sie umfassen die schiere Zahl. Gegenwärtig – es gibt da freilich auch höhere Schätzungen – sollen 60 Millionen Menschen auf der Flucht sein. Jeder wird zustimmen, daß 60 Millionen nicht hierher kommen können: dann wäre dieser Staat am Ende. Und wir schaffen auch mehr als die 80 pro Tag, die das viel kleinere Österreich aufnimmt. Irgendwo dazwischen verläuft die Grenze zwischen „zumutbar“ und „unzumutbar“.

Maß und Mitte. Wir wollen, daß es hier so bleibt, wie es ist, und nicht wird, wie es im Vorkriegs-Syrien war.

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