Wer hat das Vertrauen der Bürger?

#949 Wer am gestrigen Donnerstag Maybrit Illner sah, war doch baß erstaunt – so er jedenfalls das Denken nicht vollends gegen ein dumpfes Wollen und Fühlen eingetauscht hat. Da meint eine wichtigtuerische Unternehmerin, per Ferndiagnose die Gedanken der Bundeskanzlerin lesen zu können; sie nickt einem anderen Diskussionsteilnehmer, als wäre sie die Oberschiedsrichterin, allerdings ohne jede demokratische Legitimation oder Fachexpertise, ganz wichtig zustimmend zu – bis sie merkt, daß der eigentlich gar nicht auf ihrer Linie ist, woraufhin sie das ostentative Zustimmen einstellt.

Und sie glaubt, daß sie ihre eigene Position stärkt, indem sie mit eher plumpen Attacken mit Markus Söder einen derjenigen angreift, der ihre Fata Morgana nicht sieht. Die anderen, die diese Sinnestäuschung nicht haben, griff sie übrigens nicht an. Aber es dürfte wenig bringen, ihren nicht ganz so öffentlichkeitstauglichen Benimm weiter therapeutisch zu behandeln; darum sollen sich andere kümmern.

Da hatten wir dann noch einen politischen Mitbewerber in der Runde, den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas „Ich habe den Edathy bestimmt nicht gewarnt“ Oppermann. Der hat mit seiner SPD in Bayern eine Zustimmungsquote von sage und schreibe 17 %. Aber den SPD-Politiker, der sich deswegen hinstellt und erklärt, daß man wohl nicht alles richtig gemacht haben könne, mag man sich backen – real gibt es den nicht. Da sind eher solche Zeitgenossen wie Ralf Stegner oder eben Thomas Oppermann anzutreffen, die von sich glauben, schon immer alles richtig gemacht zu haben – und die, irrlichternd wie die SPD in dieser Frage ist, zwar alles schlecht finden, besonders die Vorschläge der CSU, die sie aber nach einiger Zeit ganz leise übernehmen. Diese Sorte SPDler schimpft dann laut auf die, die schon vor Monaten das gesagt haben, wessen sie sich nun ebenfalls anbequemen. Sie mögen sich dabei stark und töfte fühlen, aber ach, der Wähler merkt’s dann doch.

Und deswegen die Zahlen: CSU 46 %, SPD 17 %, GRÜ 11 %, FDP 4 %, SED („Die Linke.“) 2 %, Freie Wähler 5 %, AfD 9 %, Sonstige 6 %. Das spricht eine klare Sprache.

Aber noch etwas fand SAT1 Bayern, der Auftraggeber der GMS-Studie, heraus. Der Wille sowohl der bayerischen Bevölkerung als auch der CSU-Anhänger bezüglich der Nachfolge des scheidenden CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer ist ziemlich klar:

  • Markus Söder bayernweit 35 %, bei CSU-Anhängern: 43%.
  • Ilse Aigner bayernweit 18 %, bei CSU-Anhängern: 15 %.
  • Joachim Hermann bayernweit 10 %, bei CSU-Anhängern: 12 %.
  • Alexander Dobrindt bayernweit 7 %, bei CSU-Anhängern: 9 %.
  • Manfred Weber bayernweit 3 %, bei CSU-Anhängern 2 %.

Hierbei sind drei doch an sich erstaunliche Erkenntnisse zu ziehen:

  1. Die Oberbayern haben ein starkes Gewicht in Bayern – und in der CSU. Auch sie wollen mehrheitlich Markus Söder als Nachfolger, den Protestanten und Franken; wohl schlicht deswegen, weil er etwas kann.
  2. Ilse Aigner und Manfred Weber haben als einzige innerhalb der CSU schwächere Zustimmungswerte als außerhalb; damit dürfte sich ihnen die Frage der Nachfolge, die schließlich innerhalb der CSU gestellt und beantwortet werden wird, an sich gar nicht mehr stellen.
  3. Die Zustimmung zu Markus Söder verhält sich zu der der anderen, die als mögliche Nachfolger genannt werden, ungefähr so wie die der CSU zu der der anderen Parteien in Bayern. Ilse Aigner etwa hat dabei den Popularitätswert der SPD, und so weiter. Das mag erstaunlich sein oder auch nicht, aber es ist schon prägend für die gesamte Situation.

Das wird jetzt demnächst ernst werden; die Frage wird sich bald nicht mehr akademisch, sondern ganz real stellen. Es gilt, bereit zu sein.

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