Eine Woche Benutzersperre

#947 Günther Oettinger ist ein verdienter Mann, der aber auch das eine oder andere Mal Positionen vertreten hat, die der CSUler an und für sich nicht unbedingt freudestrahlend zur Kenntnis nimmt. Beispielsweise tritt er als EU-Energie-Kommissar vehement für die von vielen als Monster bezeichneten, neuen Stromtrassen ein. Erinnerung: Die wollen uns in Bayern manche reindrücken, damit wir gefälligst den Offshore-Windstrom abnehmen, den wir nie bestellt haben. Aber hier geht es um etwas ganz anderes.

Günther Oettinger hat über die AfD-Vorsitzende Frauke Petry  gesagt: „Wenn die komische Petry meine Frau wäre, würde ich mich heute Nacht noch erschießen.“ Und damit hat er so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann:

  • Er hat nicht in der Sache argumentiert, sondern ad personam, also gegen die Person. Das tut man nicht. Das tun viele Menschen dann, wenn sie in der Sache nicht zu argumentieren wissen, aber glauben, daß sie die Sache des anderen schlechtmachen, wenn sie ihn – oder sie – als Person, die für diese Sache steht, schlechtmachen. Das ist nicht richtig. Diesen Mechanismus gibt es nicht. Es gibt hingegen den unerwünschten Effekt, daß solche Angriffe ad personam einen Solidarisierungseffekt zur Folge haben.
  • Er hat Frauke Petry als Frau beleidigt. Damit hat Oettinger ein Tabu gebrochen. Überkommen oder nicht: Bei uns in Europa sind Beleidigungen schlecht, aber Beleidigungen einer Frau gegenüber sind ganz schlecht. Das geht nicht und setzt Oettinger vollends ins Unrecht.
  • Er hat auch eine Gedankenwelt offenbart, die er als Mensch haben mag, aber die einem Politiker nicht gut zu Gesichte steht. Wir wollen von Oettinger nicht hören, welche Phantasien ihn im Zusammenhang mit Frau Petry beschäftigen, sondern daß dieser Frau politisch keine Zustimmung zu erteilen, sondern umfassende Ablehnung entgegenzubringen ist. Dafür gibt es zahlreiche Argumente; diese wären anzuführen – und nicht Herrn Oettingers Vorstellungen über Frau Petrys Ehegattinneneigenschaften.
  • Wer im Glashaus sitzt…

Die Bemühungen, die AfD als das darzustellen, was sie ist, werden durch solche Ausfälle konterkariert. Und ganz nebenbei hat er den Satz erneut bestätigt: „Guter Wille ist das Gegenteil von Qualität“. Wer’s nur gut meint, kann’s immer noch ganz schlecht machen.

Bei Wikipedia wird „auf den Rückseiten“ viel diskutiert und gestritten; natürlich vergreift sich dabei auch mal jemand im Ton. Um solches zu verhindern und zu bestrafen (ja, ja, …), gibt es eine Seite namens „Vandalismusmeldung„. Dort werden solche Ausfälle geahndet. Bei einer Beleidigung wie der von Oettinger wäre eine vielleicht einwöchige Benutzersperre die Folge. Übertragen auf das reale Leben eines Politikers würde das bedeuten: Eine Woche lang in kein Mikrophon zu sprechen, keine Tweets abzusetzen, kein Bild machen zu lassen, keine Pressemitteilungen herauszugeben. Das wäre ein guter Zug. Und beim nächsten Mal bitte mit dem Kopf denken.

 

 

Bild: By Jacques Grießmayer – Guenther_h_oettinger_2007.jpg, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9452950

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