Das ist Krieg.

#946 Man mag über Wikipedia denken, was man will. Im seriösen wissenschaftlichen Gebrauch ist Obacht angebracht. Aber hier wird nicht Wissenschaft betrieben, sondern politisch betrachtet, und da ist es durchaus üblich und legitim, Wikipedia zu Rate zu ziehen. Man lese dort, was „Krieg“ ist. Wie stets bei Wikipedia, steht das Wesentliche in der Einleitung des Artikels, besonders im ersten Absatz, und dort wiederum vor allem im ersten Satz. Und der lautet: „Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt, an dem oft mehrere planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind.“

Der IS mordet in Syrien, im Irak, in Libyen und anderswo. Die Türkei ermordet Kurden. Kurden ermorden Schiiten. Schiiten ermorden Sunniten; Sunniten ermorden Schiiten. Putin mordet gemeinsam mit Assad und will jetzt, ein Wahnsinn überhaupt, Iran mit Luftabwehrwaffen ausrüsten. Dann kann der Iran ungehindert seine Atombombe bauen.

Die russische Luftwaffe fliegt Angriffe auf syrische Gebiete – vor allem auf solche, die eben nicht vom IS beherrscht werden. Dabei geht schon einmal eines durch Abschuß verloren. Übrigens: Der Herr Putin mag deswegen gezürnt haben, aber jedenfalls nimmt man seitdem in Moskau den Herrn vom Bosporus ernst. Schlimm, wenn anscheinend nur Macho-Verhalten zu Respekt führt. Aber es gehen nicht nur Kampfflugzeuge verloren – zuweilen wird ein Passagierflugzeug zum Absturz gebracht: Man erinnere sich an das über der Ukraine abgeschossene Flugzeug, oder das über Ägypten.

Christen werden im Mittleren Osten von IS ermordet. Der US-Congress bezeichnet dies als Völkermord. Europa – das überwiegend christliche Europa – tut nichts und schaut zu. Sogar in den Flüchtlingsunterkünften werden Christen drangsaliert, schikaniert und von der Mehrheit als Minderheit unterdrückt, und hier kommt als hilflose Antwort, als Zeichen der Ratlosigkeit, nur der Vorschlag, sie getrennt unterzubringen. Wahnsinn!

Es kommt zugleich ein Antisemitismus ins Land, der erschreckend ist – und der keineswegs nur Juden betrifft; denn Antisemitismus ist die menschenfeindliche Erscheinung schlechthin.

Mörder werfen Bomben in Istanbul, metzeln Menschen in Paris nieder, haben es auch bei uns schon mehrfach versucht. Terroranschläge haben als Nachricht nur noch eine Neuigkeits-Halbwertzeit von wenigen Tagen; dann kommt schon der nächste.

Im Krieg stirbt, das ist sicher wahr, die Wahrheit mit als erstes. Wer auf die schamlose russische Propagandaseite schaut, weiß, wie Wahnsinn aussieht.

Europa bricht auseinander: Es versagt in seinen Kernaufgaben. Putin destabilisiert, wo er kann. Das ist eine reale Gefahr; keine, die nur irgendwo am Horizont vor sich hin lauert.

Der Westen krankt an Uneinigkeit, vor allem: Europa ist uneins. Das ist in friedlichen Zeit schon blöd; im Krieg ist es irrwitzig und selbstzerstörerisch. Und in den USA, die unser wichtigster Verbündeter sind, regiert einer der schwächsten Präsidenten überhaupt. Obama hat sich von Europa ab- und Asien zugewandt; Obama hat Positionen geräumt, ja: ist geflüchtet, aber er hat keine neuen eingenommen und sich damit zum Gespött insbesondere in der arabischen Welt gemacht. So etwas können wir derzeit nicht brauchen. Es wird höchste Zeit, daß Maß und Mitte, aber eben auch Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit ins Weiße Haus zurückkehren. Ob das nun Hillary Clinton von den demokratischen Partei oder ein vernünftiger Kandidat von der republikanischen Partei werden wird, sei hier nicht näher erörtert, aber jedenfalls gehört ein Außenminister vom Typ Kissinger ins State Department, und kein Dauerschönredner vom Typ Kerry oder Steinmeier, die dauernd wichtigtuerisch reden, aber genau gar nichts Positives erreichen. Das sind Destruktivisten mit guter Laune, und das ist unangemessen.

Wir haben uns zur Beute degradiert. Es soll doch keiner glauben, daß niemand an uns heran will. Warum auch nicht? Bei uns ist viel zu holen. Und wir fliegen mit unseren paar Rest-Tornados tagsüber, weil nachts die Instrumente spiegeln und blenden. Wir sind schon in der Gefahr, von der Beute zur billigen Beute zu werden.

Im Moment sind Uneinigkeit, Rechtlosigkeit und Unfreiheit als Bedrohung, teilweise schon als reale Ahnung, verbreitet. Es ist wichtig, daß wir wieder Einigkeit, Recht und Freiheit als wesentliche Ziele verfolgen.

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