Keine Experimente!

#941 Wenn man jemanden auftauen würde, den man vor 50 Jahren eingefroren hätte – der würde sich einigermaßen erstaunt die Augen reiben. Viele Entwicklungen sind ein Fortschritt der Menschheit. Aber manches würde ihn fassungslos machen, und er würde fragen, wie wir das zulassen konnten.

Der guten und staunenswerten Entwicklungen sind so viele, daß sie aufzuzählen den Rahmen sprengte. Aber es gibt nicht nur diese; es gibt auch andere: Schlechte, gefährliche Entwicklungen greifen Platz.

Erst gestern gab das angesehene Londoner International Institut for Strategic Studies einen Bericht heraus, der feststellt: Der Westen verliert seine militärische Überlegenheit. Das ist nicht wirklich verwunderlich in Zeiten, in denen das eigene Militär stets als böse gilt und eine SED-Funktionärin sich erdreistet, Soldaten der Bundeswehr als „Mörder“ zu bezeichnen. Wenn aber die Soldateska des Herrn Putin mordet, dann hört man derlei nicht – das wird dann unter der Weichspülthese „Die sind halt so“ zusammengefaßt, und keiner regt sich auf.

Unser Aufgetauter wäre baß erstaunt, wenn wir ihm erzählen würden, daß wir alleine in Deutschland letztes Jahr eine Million Flüchtlinge aufgenommen haben – und oft nicht wissen, wer das ist und wo sie sind. Gerade letzteres ist ein ziemlicher Witz – und hat natürlich etwas damit zu tun, daß an unseren Grenzen Recht und Gesetz aufgehoben sind. Wer nur innerdeutsch fliegt, muß sich natürlich ausweisen; wer ins Land will, dagegen nicht: das ist absurd.

Selbsternannte Zwangsbeglücker wollen uns das Bargeld begrenzen, vegetarisch füttern, nur glücklich geerntetes essen lassen. Sie schreien auf und sind am Rande des Wahnsinns, wenn eine Mohrrübe keine glückliche Kindheit hatte, aber schweigen betreten, wenn ihr Laissez-faire ausgenutzt wird, daß es kracht.

Dabei ist es immer noch das gleiche, altbekannte Problem: Die Welt ist nicht so, wie sie sich manche erträumen – bevorzugt harmoniesüchtige Unreiflinge –, sondern eben so, wie sie ist. Und wir wissen auch, daß der zivilisatorische Lack gegebenenfalls ganz schnell ab ist.

Deswegen gilt zum Beispiel auch die alte Weisheit: „Si vis pacem, para bellum“ – Wenn Du den Frieden willst, bereit den Krieg vor. Mit dem – älteren Semestern noch erinnerlichen – NATO-Doppelbeschluß wurde das ein weiteres Mal bewiesen.

Denn es hilft ja nichts, bei einem Herrn Putin oder Erdogan oder gar Assad um Frieden zu bitten oder vernünftig reden zu wollen. Bei den Kriegstreibern und Völkermördern dieser Erde ist es nötig, ihnen die Waffe aus der Hand zu schlagen. Da wirkt es geradezu erschütternd, wenn die Bundeswehr nur noch ein paar Restflugzeuge hat, die nur tagsüber fliegen durften. Die Verteidigungsfähigkeit beruht auf der Hoffnung, daß uns schon keiner angreifen wird… Kann es das sein? Halt, da fehlt etwas. Sie beruht nämlich noch auf etwas anderem: Auf der Hoffnung, daß unsere europäischen Außengrenzen geschützt sind. Oder wie? Selten so gelacht.

Es ist schon schön, wenn man friedlich und freundlich vor sich hin leben kann. Und das soll auch erhalten bleiben, so gut es geht. Aber wir sollten nicht weiter so tun, als wäre alles nur ein freundlicher Sommersonntagsnachmittagsspaziergang, während um uns Chaos und Elend zunehmen.

Das Recht muß wieder eingesetzt werden. Und wir müssen vom Irrglauben los, daß schon alles gutgehen werde. Wenn wir nicht wir – wer dann?

 

 

Bild: By CDU – This file was provided to Wikimedia Commons by the Konrad-Adenauer-Stiftung, a German political foundation, as part of a cooperation project.Deutsch | English | français | македонски | русский | +/−, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16173764

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