Das muß lustig sein.

#940 Das Leben als Konservativer ist nicht immer einfach. Dem Konservativen sind der Zweifel und auch der Selbstzweifel wesensimmanent. Bei allem, was er sagt und tut, ist es typisch für ihn, die Berechtigung desselben zu hinterfragen. Dies ist auch einer der Gründe dafür, warum – beispielsweise – konservative Politik wie – beispielsweise – in Bayern funktioniert. Man schaue sich beispielsweise die bayerischen Finanzen an und vergleiche sie mit den Finanzen irgendwo auf der Welt, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Ach: die bayerischen Finanzen sind die besseren? Ob das vielleicht auch mit der Politik zu tun hat?

Aber da sind auch Zeitgenossen unterwegs, die das anders sehen. Nicht nur Zeitgenossen, sondern wirkliche Genossen. Dies sind sie oft aus einer Position heraus geworden, gegen die an sich gar nichts einzuwenden ist. Der eine versteht sich als Gewerkschaftsfreund, der andere schätzt ein funktionierendes Sozialsystem, der dritte schätzt Chancengleichheit in der Bildung. Und deswegen, so glauben viele von sich selbst, seien sie sozialdemokratisch sozialisiert.

Ja, aber stimmt das denn? Stimmt das denn nicht nur subjektiv – jeder mag glauben, was er mag –, sondern: stimmt das objektiv?

Schnell stellt man bei genauem Hingucken fest: Auch und gerade die CSU setzt auf freie Gewerkschaften, auch wenn unsere Politiker nicht an jedem 1. Mai „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!“ singen. Auch und gerade die CSU streitet für ein faires Sozialsystem, das nicht nur denen hilft, die am lautesten um Hilfe rufen, sondern auch denen, die das nur leise tun. So hat beispielsweise die Anrechnung von Kindern zur Rente vielen Frauen real geholfen. Und das ist nun einmal auch wichtig und vielleicht wichtiger als eine symbolische Anerkennung, von der man aber nicht beißen kann. Wer hat’s gemacht? Die CSU hat’s gemacht.

Nun ist es so, und der geneigte Leser wird es ahnen, daß nun einige Sätze folgen werden, die sich ein wenig spöttisch mit der Attitüde einiger SPDler auseinandersetzen. Um aber einen Eindruck zu vermeiden: Das ist nicht auf die gesamte SPD gemünzt. Es gibt auch hier solche, die sich konstruktiv um die Probleme bemühen. Ob in Berlin oder in Nürnberg, ob Bund oder Kommune: Es gibt Beispiele vom Koalition und Kooperation, die funktionieren. Dies vorweg geschickt, sei gesagt:

Es ist manchmal schon recht bequem, SPDler zu sein. In der Flüchtlingsfrage, beispielsweise. Da läuft das eine Mitglied der SPD mit einem „refugees welcome“-T-Shirt herum, während die SPD in Essen eine Demonstration gegen den ungehinderten Zuzug machen wollte, dann aber aufgrund einer Order der NRW-Kraft (Deutschlands Schuldenkönigin) wieder absagen mußte. Da redet ein Sigmar Gabriel mit Leute von Pegida, und nun fordern Teile der SPD ein Verbot derselben. Hat denn wirklich irgendein Naivling geglaubt, die ins Rechtsaußenlager hinüber diffundierenden Pegida-Mitläufer würden angesichts einer Rede von Gabriel, Sigmar, ins Staunen Verfallen, Pegida den Rücken kehren und wackere Sozialdemokraten werden? Sicher nicht.

Aber es gibt diese Strömung in der SPD, die alles will – und damit nichts erreicht. Außer, daß sie auf derzeit 16 % in Bayern und 24 % im Bund steht. Vielleicht sollte man sich auch dort einmal darüber klar werden, daß man nicht auf Dauer eine Politik machen kann, die an den Menschen vorbei geht. Wenn etwa eine SPD-Landtagsabgeordnete (noch einmal: 16 %) an der CSU (47 %) daran herumkrittelt, daß die CSU erfolgreich arbeitet und das auch noch auf eine Art und Weise macht, die den Bürger in die Arbeit eines Ministeriums mitnimmt, dann sollte vielleicht mal jemand diese Dame fragen, worauf sie ihren Mißmut aufbaut: Auf der Erfolglosigkeit sozialdemokratischer Landesregierungen oder auf einem Umfrageergebnis von 16 %?

Da kann die SPD über ihren eigenen Laden im Internet noch so viele Toaster anbieten: So wird das nichts. Denn eines haben wir ihr schlichtweg voraus: Wir sehen die Welt so, wie sie ist – und nicht so, wie sie sich manche erträumen.

Bild: Website der SPD – Danke an Stadtrat Joachim Thiel für den Hinweis.

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