Nürnberg: Urständ der Besserwisser

#934 Es ist zum Haareraufen, so man denn noch welche hat: Die Wartezeit, die ein wider die Bedürfnisse der Nürnberger Bürger handelnder BUND-Vorstand aus Regensburg (!) vor einem Münchner (!) Gericht gegen den Frankenschnellwegausbau durch seine Klage erzwungen hat, nutzen jetzt selbsternannte Besserwisser, mißgelaunte Menschen und humorlose Volkserzieher von eigenen Gnaden, um den von den Bürgern mit gewaltiger Mehrheit gewollten und nun beschlossenen Ausbau noch in letzter Minute zu verhindern. Ihr Verständnis von Demokratie lautet „Demokratie ist, wenn alle mir gehorchen“, ihr Respekt vor gründlich ausgearbeiteten, lange – 40 Jahre lange – gereiften demokratischen Beschlüssen ist so gering, daß er mit „Verachtung“ noch unzureichend beschrieben ist.

Jetzt kommt irgendein ein miesepetriger Waldschrat auf die glorreiche Idee, daß es ein „Leitsystem“ richten soll. Das ist ein Blödsinn hoch drei, wie er selbst bei randständigen Aussteigerclubs auf Fuerteventura nicht verfangen könnte. Das wäre ungefähr so, als wäre in der DDR ein Bananenleitsystem eingeführt werden: Keine Bananen gibt es hier, keine Bananen gibt es dort…

Was diese Menschen scheinbar treibt, ist die Lust, den anderen ihr Leben zu vergällen. Was sollte es sonst sein? Manche sind eben froh, wenn andere sich täglich im Stau quälen, Lebenszeit verlieren und sich ärgern. Vor allem dann, wenn sie als grüne Landtagsabgeordnete im ICE nach München fahren und höhnisch lächelnd aus dem Zug auf den Stau blicken. Ob sie dabei daran denken, daß die Menschen im Stau gar keine Wahl haben? Und ob sie daran denken, daß ihr „Leitsystem“ nur den Mangel verwalten, aber keinen Verkehr ruhig fließen lassen kann?

Nur am Rande sei erwähnt, daß die CSU-Stadtratsfraktion gerade dieser Tage eine Pressemitteilung verschickte, in der Sebastian Brehm eben jenen Ausbau als wichtig bezeichnete und schnellstens umzusetzen forderte. Und nun kommen sie an, jene selbsternannten Ritter von der hochmütigen Denkungsart, und wollen die Menschen zu dem zwingen, was gegenwartsuntaugliche Rückwärtslinge mit einem unausgegorenen Haß gegen die Moderne für das bessere Leben halten, vor allem dann, wenn andere es leben müssen.

Denken Sie daran, wenn die nächsten Wahlen sind. Man muß diese Feinde des einfachen Mannes nicht wählen. Und der einfachen Frau. Man kann ihnen auch mal entgegenrufen, daß man diese Bevormundung im Namen einer eingebildeten Erdmutter Gaia, der wir alle zu dienen hätten, ablehnt.

In einschlägigen Foren werden geschützte Tiere zur Miete angeboten, damit man etwa einen „roten Milan“ dort aussetzen kann, wo man Entwicklung verhindern will. Mit dieser Prostitution, mit dieser billigen Käuflichkeit des angeblich wichtigen Arguments hat sich solcherlei Protest selbst des Anstands entledigt. Solchen geht es längst nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um die wahnwitzige Lust am Hindern, am Verhindern, am Blockieren.

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