Rhythmus des Lebens.

#930 Die Worte, die diesem Beitrag als Überschrift dienen, stehen als Inschrift in den gestalteten Fenstern des Sitzungssaales des Nürnberger Stadtrats am Fünferplatz. Dort war gestern eine Sitzung, über die es hier und heute nicht gehen soll, denn diese Worte „Rhythmus des Lebens“ geben einen anderen Auftrag.

Der Rhythmus des Lebens ist, kurz gesagt, die Adoleszenz, das Erwachsenenleben und das Alter. Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bewußt, wie der Herr Geheimrat Goethe zu sagen wußte, und natürlich richtig erkannte.

Eines ist diesen drei Zeitaltern gemein: Jedes neigt dazu, sich für das einzig wichtige zu halten, vor dem der Rest der Gesellschaft gefälligst Respekt haben solle. Es gibt Jugendliche, die am liebsten überall Remmidemmi hätten und auf die Spießer gut verzichten könnten; es gibt die tatkräftigen Erwachsenen, die am liebsten alles dem Leistungsgedanken unterstellten, und es gibt jene Senioren, die am liebsten um spätestens 21 Uhr die Beleuchtung abschalteten und rund um die Uhr den Musikantenstadtl (den’s nicht mehr gibt) sähen. All diese Menschen gibt es, aber unsere Gesellschaft ist darin geübt, die jeweiligen Interessen auszugleichen. Dahinter steht der Gedanke, daß jeder sein berechtigtes Interesse hat und eine gute Gesellschaft auf den Ausgleich angewiesen ist.

Das aber verlangt den guten Willen von allen Seiten und die Akzeptanz der Tatsache, daß es nicht jedem Recht gemacht werden kann, sondern daß jeder die Gesamtheit, die Gesellschaft, als einen die Regeln bestimmenden Faktor anerkennt: Es geht nicht nach Hinz oder Kunz, nicht nach Krethi oder Plethi, sondern es geht nach der Gesellschaft an und für sich. Das bedeutet auch das Gebot von Fairness im Umgang miteinander. Und der bereitet derzeit Schwierigkeiten.

Natürlich muß man zu Flüchtlingen fair sein. Das heißt aber eben nicht, daß man ihre kulturelle Prägung da, wo sie unserer unversöhnlich (!) gegenübersteht, irgendwie akzeptiert. Wer Frauen verachtet, Israel mit Atombomben beschmeißen will, nur fordert und nichts leistet, ist hier fehl am Platz. Nicht nur die dauerhafte Zuwanderung, auch das Grundrecht auf Asyl erfordern dies. Daß die Masse der Zuwanderer nicht das Problem sind, dürfte klar sein. Aber wenn auch nur 10 % der Menschen, die hierher gekommen sind, für sich selbst große Schwierigkeiten damit haben, in unserer Gesellschaft zurechtzukommen, dann sind es in Deutschland etwa 120.000 oder alleine in Nürnberg, wo derzeit rund 7.000 aufgenommen wurde – sagte der Polizeipräsident Rast gestern im Stadtrat – rund 700. Das können und dürfen wir nicht ignorieren. Nun wenden sich schon die einen Zuwanderer demonstrierend gegen die anderen. Wohin soll das führen?

Natürlich muß man auch zu Veganern fair sein. Aber muß jedes Veganerpärchen eine ganze Seite in der Zeitung haben, für eine inhaltliche Nullnummer? Wie wäre es mit „Ich esse Fleisch!“ als Überschrift über ein ganzseitiges Portrait, wie viel Lebensfreude in einem ordentlichen Stück Fleisch stecken kann? Oder „‚Ich bin in einer Partei!‘ – über die Sinngebung von Mitmachen statt Daherlabern“? Der Verfasser dieser Zeilen kann der Zeitung gerne Namen und Adressen geben; auch von Gartenzwergliebhabern und anderen seltenen Spezies.

Natürlich muß man zu iranischen Präsidenten fair sein. Es ist sicher nicht nötig, für die Welt Bilder zu produzieren, auf denen Rohani vor den nackten Brüsten einer Statue zu sehen ist. Wo eigentlich ist Micaela Schäfer? Wo sind die Femen-Aktivisten, pardon: Femen-Aktivistinnen, wenn man sie mal braucht?

Natürlich muß man zur Bundeswehr fair sein. Sie hat gefühlte drei flugbereite Tornados im Einsatz – aber nur tags. Nachts können die nicht fliegen, weil dank neuer „Hard- und Software“ die Instrumente so stark im Cockpit spiegeln, daß es zu gefährlich wäre. Ach. Hoffentlich greift uns keiner nachts an. Das Totalversagen greift nach dem Flughafenbau in Berlin wohl um sich.

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