Die Federica und das Peter-Prinzip

#920 Kennen Sie das Peter-Prinzip? Es ist, simpel ausgedrückt, die Erkenntnis, daß jeder so lange befördert wird, bis er endlich eine Stellung erreicht hat, in der er versagt. Oder, um es mit Wikipedia zu sagen: „dass jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert wird, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat“.

Kennen Sie Federica Mogherini? Sie ist die „Hohe Beauftragte der EU für Außen- und Sicherheitspolitik“. Und eine grandiose Fehlbesetzung.

Mogherini trat als Mädchen einmal dem Jugendverband der Kommunistischen Partei Italiens bei. Nun ist es ziemlich sinnlos, einem erwachsenen Menschen einfach mal eben so die Sünden der Kindheit vorzuwerfen, und das soll hier auch nicht geschehen. Aber wenn etwas nicht „einfach mal eben so“ geschieht, sondern vielleicht ein Grundmuster erkennen läßt, dann darf das eben doch passieren.

Und dieses Grundmuster ist: Sie glaubt, etwas einschätzen zu können, wovon sie, mit Verlaub, nicht allzu viel Schimmer hat. Sie hat schon mehrfach Beispiele einer intellektuellen Trennunschärfe gebracht – die bei einem Kind natürlich nichts ausmacht –, aber nun gibt sie Anlaß zu vermuten, daß das Peter-Prinzip bei ihr Anwendung findet, daß sie also letztlich so lange befördert worden ist, bis sie das Maß ihrer absoluten Unfähigkeit erreicht hat.

Was ist passiert? Bei spiegel.de und anderswo findet der geneigte Leser ein Bild, das Mogherini applaudierend und glücklich in die Runde lächelnd vor dem Hintergrund des blassen Blau der UN zeigt, genauer: vor dem Hintergrund der IAEA, der Internationalen Atomenergiebehörde der UN mit Sitz in Wien.

Was ist passiert? Der Iran habe, so ist zu vernehmen, sämtliche Auflagen aus dem berühmt-berüchtigten „Atom-Deal“ erfüllt, weswegen alle Sanktionen aufzuheben seien, melden US-Außenminister John Kerry und eben jene Federica Mogherini. Beide sind bisher nicht gerade durch Erfolge auf ihrem Gebiet, nämlich dem der Außenpolitik, aufgefallen, sondern durch eine Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen: von Fehlern, Irrtümern und Versagen.

Nun also eine freudestrahlende Federica Mogherini neben einem iranischen Außenminister. Sie lächelt, als ob es gleich Geschenke gibt. Tut es ja auch, in gewissem Sinne.

Man muß aber fair bleiben. Vielleicht hat der Iran auch wirklich alle Auflagen erfüllt? Das kann sein, man kann diese Möglichkeit jedenfalls nicht ausschließen. Er finanziert die Terrorbande Hisbollah, er finanziert so ungefähr jede zweite Bande von Mördern und Terroristen. Das iranische Regime hat Syrien in den Krieg gestürzt, er hat Assad gestützt und damit den IS überhaupt erst ermöglicht.

Und er hat den Westen jahrelang, bald: jahrzehntelang betrogen, verarscht – pardon my French –, genasführt. Das iranische Regime zündelt, wo es nur kann. Es hat an der Atombombe bearbeitet und behauptet, es wolle nur freundliche Kernkraft. Warum es dazu Sachen braucht, die man in keinem Kernkraftwerk benötigt, wohl aber in einer Atombombe, wollte es nicht beantworten. Also hat man Inspektoren geschickt, und die wurden dann manchmal nicht hereingelassen, oder es wurde ihnen eine Art Kinderüberraschungseifabrik vorgeführt oder ähnliche Diktatorentricks mehr.

Nun kann es sein, daß der Iran, der Sanktionen müde, seine Politik aufgegeben hat, die Atombombe zu erreichen. Auch der Autor dieser Zeilen kann das natürlich nicht wissen. Aber wenn über Jahre und Jahrzehnte hinweg das iranische Regime betrog, log, sich einer echten Kontrolle entzog und nun, schwuppdiwupp, lächelnd alles tut, was der Westen aus Sorge vor der Vernichtung fordert, und gerade einmal ein paar Tage vor Fristende eine wichtige Einzelanforderung erfüllt hat, ist ihm einfach mal so zu glauben?

Mag sein. Aber was, wenn das Risiko, das sich aus einem Irrtum ergäbe, zu gefährlich wäre? Dürfen wir riskieren, daß uns das iranische Regime wieder einmal für dumm verkauft?

Nein, das dürfen wir nicht. Als Leumundszeugen, gewissermaßen, führt das Regime ausgerechnet Putin an. Nun kann man Putin für alles mögliche halten, aber als Nachweis für einen guten Leumund? Wenn die zwei sich zusammentun, dann fehlt nur noch Kim Yong-Un als Zeuge…

Ist es klug, dem iranischen Regime zu trauen, oder ist es gar klug, Frau Mogherini zu trauen? Eher nicht. Den Geißlein ist das auch nicht gut bekommen.

Ich bin nicht überzeugt.

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