Jetzt kommt’s raus

#914 Im Zusammenhang mit den Ereignisse von Köln (und Hamburg und Stuttgart und Braunschweig und Nürnberg etc.) kommt jetzt heraus, wie naiv doch viele Menschen waren. Solche, die es doch ach nur gut meinen und solche, die einem dumpfen Rassismus frönen.

Ansprache an die Gutmenschen:

Ihr da! Ja, ihr, die ihr mit euren kuscheligen Teddybären auf irgendwelchen Bahnsteigen herumsteht und in eurer Spießer-Mentalität meint, daß es schon reicht, wenn ihr es gut meint – irgend jemand wird es schon gut machen. Ihr fühlt euch knorke, wenn ihr einem Menschen, der nichts mehr hat, ermunternd auf die Schulter klopft, aber dann nicht allzu viel tut. Glaubt ihr, Integration gäbe es zum Nulltarif? Ihr denkt nicht daran, daß der Deutsch lernen muß. Daß er ein Dach braucht – aber daß es nicht beliebig viele Dächer gibt. Ihr, die ihr sonst schon wildes Nervenzucken erleidet, wenn in Eurer Nachbarschaft die Mieten steigen, tut gleichwohl, als seid ihr irgendeine bessere Spezies von Mensch, wenn ihr noch mehr Menschen nach Wohnraum suchen läßt. Ihr, die ihr schon Panik kriegt, wenn einer nur ins Dekolleté einer Frau schaut, ladet hunderttausende von Menschen ein, zu uns zu kommen, die vor einem durchschnittlichen Möbelstück mehr Respekt haben als vor einer Frau. Ihr, die Ihr an jedem 9. November und 27. Januar Trauer tragt über sechs Millionen tote Juden, schweigt so sehr, daß es in den Ohren gellt, wenn hunderttausendfach ein übler Antisemitismus ins Land kommt.

Ihr müßt euch schon mal bewegen. Die Menschen, die kommen, sind, wie sie sind. Was davon zu unserer Kultur nicht paßt, muß von uns durch aktives Tun gelehrt und von ihnen gelernt werden. Das Gerede von der angeblichen Bereicherung ist öde. Natürlich bereichern uns Humus und Schwarma, aber tun das die inkompatiblen Aspekte auch? Eben nicht. Also runter mit der rosaroten Brille, runter mit der Verlogenheit nach Köln, runter mit dem Mantel der verlogenenen Toleranz, die in Wahrheit nur Gleichgültigkeit und sinnlose Hoffnung sind. Werdet vernünftig.

Ansprache an die Rassisten:

Ihr da! Ihr, die ihr sowieso „Ausländer raus!“ denkt und diese Denke nur unter einem schein-aufgeklärten Duktus verbergt! Kommt raus aus eurer miefigen Ecke der lächerlichen Hysterie. Wenn man 500 Menschen in einer Unterkunft unterbringt, dann gibt es Unruhe. Ob die aus Damaskus stammen oder aus Fürth. Und erklärt nicht jeden für straffällig im Sinne von gefährlich, der einen ausländerrechtlichen Kleinverstoß begangen hat. Damit verharmlost ihr am Ende diejenigen, die die richtig üblen Sachen machen. Und freut euch gefälligst nicht, wenn die doch passieren. Versucht nicht, die, die sich hier brav verhalten, auch innerlich ankommen, nun auszugrenzen, indem ihr sie aller Schandtaten verdächtigt. Versucht nicht, eurer dumpfen Angst durch den Ruf nach einem harten Mann Ausdruck zu verleihen. Werdet menschlich.

 

Es ist erstaunlich, daß ich in meiner CSU immer wieder die Stimmen der Vernunft, der Machbarkeit, von Maß und Mitte höre. Die hier gemachte Politik ist nicht sozialromantisch, aber auch nicht hartleibig, sondern von einer werteorientierten und hilfsbereiten Grundhaltung getragen, die dann aber auch ein Bewußtsein für’s Machbare hat und ihre Position nicht anhand dummer Ängste ausrichtet und auch nicht anhand einer nicht existierenden, aber herbeiphantasierten „mach ich mir die Welt, widde-widde-wie sie mir gefällt“-Illusion.

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß unsere Grenzen zu kontrollieren sind.

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