Offenes Schreiben an die NZ

#910

Sehr geehrter Herr Chefredakteur Kirch,

in Ihrer Berichterstattung und Kommentierung der politischen Lage um Iran und Saudi-Arabien haben Sie heute auf S. 3 der Nürnberger Zeitung zweimal auf unerträgliche Weise das Israels Vernichtung anstrebende Narrativ übernommen.

Sie haben zum einen im Artikel „Die Region – ein Pulverfass“ die iranische Haltung zu Israel, die bekanntermaßen auf Vernichtung des Staates Israels abzielt, unter Gebrauch der dort von der Regierung benutzten Worte und ohne Distanzierung davon wiedergegeben: „Die Befreiung Palästinas von israelischer Besetzung und die Durchsetzung eines palästinensischen Staates“.

Diese Satz ist in jedem Wort übelste Propaganda des israel- und judenfeindlichen Regimes in Teheran:

  • Es gibt kein Palästina, das zu befreien wäre – Unter israelischer Besatzung sind die Menschen freier als unter der Hamas oder PA. Man beachte dabei, daß in Israel auch Frauen Menschen sind, oder Homosexuelle oder Ungläubige und so weiter; es gibt lediglich staatenlose Gebiete, die unter ein unfreies, repressives, korruptes, diktatorisches, seine Opfer und Gegner an Baukränen aufhängendes Regime gebracht werden würden.
  • Daß es keinen Staat Palästina gibt, ist keine Folge israelischer Politik, sondern Resultat des korrupten, repressiven Systems auf Seiten der „palästinensischen Autonomiebehörde“ und ihrer Vorgänger; seit 1948 läuft die Welt den Palästinensern mit der Gründung eines Staates beinahe hinterher. Aktuell zahlt die EU jährlich Milliarden an die PA, und das Geld verschwindet in dunklen Kanälen: Nichts konnte der EU bei einer der seltenen Inspektionsreisen vorgezeigt werden.
  • Nur eine Kleinigkeit am Rande: Es handelt sich nicht um eine Besetzung, sondern um eine Besatzung. Das ist nur ein Buchstabe, aber völkerrechtlich ein Unterschied.
  • Durchsetzung eines palästinensisches Staates: Nichts leichter als das. Man müßte sich nur anbequemen, das Völkerrecht einzuhalten, wenn man Völkerrechtssubjekt werden will. Und es würde bedeuten, Verantwortung für sein eigenes Verhalten zu übernehmen. Zu beidem ist bei der PA niemand bereit, der Verantwortung trägt.

Neben dieser unverhohlenen Übernahme der iranischen Propagandadarstellung kam es in der ebenfalls auf S. 3 der heutigen NZ-Ausgabe zu einer Karte, die in gewissen Kreise ein Johlen hervorrufen dürfte: Eine Karte des Nahen Ostens – ohne Israel – unter der Überschrift „Glaubensrichtungen des Islam im Nahen Osten“. Jeder Staat auch nur am Rande der Region wie etwa Tadschikistan ist verzeichnet; auch Kleinstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate sind mit Namen genannt. Aber Israel? Israel ist nicht genannt.

In dieser Karte haben Sie die Vernichtung des einzigen Rechtsstaats, der einzigen Demokratie und des einzigen freiheitlichen Staates, die der Iran anstrebt, als vollzogen dargestellt.

Es ist scharf zu kritisieren, daß die Nürnberger Zeitung sich für diese propagandistische Darstellung hergibt. Wir fordern Sie auf, dies richtigzustellen.

Mit freundlichem Gruß und Schalom

André Freud

Deutsch-Israelische Gesellschaft eV. AG Nürnberg-Mittelfranken, Vorsitzender

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