Heute: Ungewohntes Lob.

#898 Dieser Blog scheut sich nicht, Politiker deutlich zu kritisieren, wenn sie Unsinn machen oder reden. So wurde beispielsweise der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Nürnberger Stadtrat Achim Mletzko im April 2014 für seine Entdeckung eines „demokratiephilosophischen Problems“ aufgespießt, wo es ihm doch erkennbar nicht unbedingt um Demokratie und Philosophie ging, sondern schlicht um die Beteiligung der Grünen an Posten und Pöstchen. Wenn aber der gleiche Politiker etwas Vernünftiges sagt und tut, dann ist er – auch wenn er von den Grünen ist – zu loben. Auch dann, wenn’s schwer fällt.

Nun also: Lob für Achim Mletzko. Warum? Weil er auf die Idee des Obergrünen Christian Ströbele, Feuerwerk an Silvester zu verbieten, einen gewissermaßen demokratiephilosophischen Satz erwiderte: Diese Idee sei „Quatsch mit Soße“. Und das stimmt.

Zum einen sind die Grünen mit unsinnigen Vorschlägen, den Menschen mit unsinnigen Verboten die Freude am Leben zu vergällen wie die Wiedereinführung einer angeblich volksgesundheitlichen Zwangsmaßnahme wie die fleischlosen Donnerstage schon genügend negativ aufgefallen, um das jetzt zu wiederholen.

Zum anderen aber, weil – allerdings ist das gemutmaßt; die genauen Motive von Achim Mletzko sind hier nicht bekannt – die Zurückweisung dieser Idee gleichzeitig ein Gebot der Freiheit ist. Ein Staat, ein Land, eine Stadt sind keine moralische Besserungsanstalten, in denen das Leben erst dann gut sein darf, wenn jeder auf die etwas simplen Gut-Böse-Vorstellungen jenes Altachtundsechzigers hört und vor ihnen die Hacken zusammenknallt.

Der Verfasser dieser Zeilen, der übrigens selbst seit Jahrzehnten kein Feuerwerk mehr verschoß und also von der Annahme der Verteidigung eigener Leidenschaften freizusprechen sein dürfte, verteidigt den Brauch des Silvesterfeuerwerks als eine zwar zuweilen die Nerven strapazierende und den Anblick der Straßen am Neujahrstag nicht gerade verbessernde Gewohnheit als Ausdruck von Lebensfreude.

Es kann schon sein, daß das Geld dafür in den Augen mancher sinnlos ausgegeben ist. Na und? Das darf man doch. Es ist ja auch sinnlos, Zeitschriften mit so einem Volksverblödungsunsinn wie angeblichen Horoskopen zu kaufen oder dem Menschen nicht guttuende (aber wohlschmeckende) Leckereien oder ordentliche Kleidung: ein Sack oder die Klamotten von Herrn Ströbele tun’s schließlich auch…

Nein, nein, nein: Der Mensch ist nicht frei, damit er seine Freiheit zugunsten des Korsetts eines Zwangsbeglückers wieder aufgibt, sondern damit er seine Freiheit lebt. Der eine hört Volksmusik; soll er doch. Der andere ißt Dorschleber zum Frühstück; na und? Der nächste brennt an Silvester ein Feuerwerk ab; viel Vergnügen dabei.

„Leben und leben lassen“, dieser kategorische Imperativ der Libertas Bavariae, verdient stets Lob, wenn verteidigt, und in diesem Sinne soll gelobt werden.

Wer übrigens auch gelobt werden soll, das ist mal wieder die CSU für ihre gute Politik; diesmal rund um das Thema Flughafen. Was wurde nicht von der Zeitung geschrieben, was wurde nicht in der Stadtpolitik geunkt, daß ein Regionalflughafen mit etwa einer wöchentlichen Verbindung nach Fürth doch ausreichend wäre. Eigentlich konnte man darauf warten, daß irgend jemand die Wiedereröffnung des Luftschiffslandeplatzes am Flughafenstandort vorschlug. Und was lesen wir heute in der Zeitung? Daß der Nürnberger Flughafen kurz vor dem Wiedereintritt in die Gewinnzone steht, daß die sauren Jahre vorüber sind… Ach. War da nicht etwas? Ist das nicht genau das, was in diesem Blog seit Jahren zu lesen war und was die Unkenden nicht nur als Aussage überhörten, sondern was sie auch in den dies untermauernden Argumenten nicht wahrnehmen wollten?

Vor knapp drei Jahren fand in Nürnberg – am Flughafen – eine Tagung von Flughafen-Fachleuten statt, die genau diese Entwicklung vorhersagten und ihre Annahmen begründeten. Das wichtige ist, daß diese fachlich richtige Politik dem emotionalen Sturm der fränkischen Subversion standhielt, die gerne mal mit „Braung mer ned“ dagegen hielt. Und jetzt wäre es doch an der Zeit, daß diejenigen, die eine Anbindung des Nürnberger Flughafens an den Fernverkehr verhindern, ihre Position aufgeben und anerkennen, daß die zweitgrößte Stadt Bayerns mit einer der größten Messen der Welt einen Flughafen braucht, der straßenmäßig nicht nur mit einer Kreisstraße vierter Ordnung erreichbar ist.

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