Pearl Harbour

#892 Heute vor 74 Jahren griffen Streitkräfte der faschistischen japanischen Armee den amerikanischen Hafen in Pearl Harbour auf Hawaii an. Es starben nicht ganz so viele Menschen wie am 11.09.2001 beim Angriff von Al Qaida auf New York.

Aus dem europäischen Krieg der Nationalsozialisten wurde so der Zweite Weltkrieg. Sein Ergebnis war das Weltordnungssystem, das viele Jahrzehnte bestand und das in der Geschichte der Menschheit wohl das beste war. Auch andere haben ihre positiven Aspekte gehabt: die Pax Romanorum, das karolingische Frankenreich, das Heilige Römische Reich (später mit dem Zusatz: deutscher Nation), der westfälische Frieden, der Reichsdeputationshauptschluß, der Wiener Kongreß: Dies waren bei aller inhaltlichen und strukturellen Verschiedenheit internationale Regelungswerke, die dem Zusammenleben der Menschen, der Völker dienten. Übrigens beruhten sie alle auf der internalisierten Differenzierung zwischen θνος und δῆμος, aber das tut hier nur am Rande etwas zur Sache.

Jeder Friedensordnung wohnt der Ursprung künftigen Unfriedens, künftigen Kriegs oder Bürgerkriegs inne. Sei es, daß künftige Konflikte nicht vorhersehbar waren oder durch Nichtbeachtung erst genährt wurden, sie es im Gegenteil eine Regelung eines an sich nicht wesentlichen Konflikts, der erst durch seine Beachtung zu seiner zerstörerischen Kraft fand.

Aus dem Ereignis, das wir Pearl Harbour nennen und an das man heute nicht nur erinnern kann, sondern erinnern sollte, entstand nicht nur etwas abstraktes, sondern auch etwas ausgesprochen Konkretes: Die Vereinten Nationen, die UN. Sie war vor dem Hintergrund des Versagens des Völkerbundes zunächst durchaus solide aufgebaut; aber die schon bei ihrer Gründung ja nur durch die Allianz gegen die Nationalsozialisten zusammengehaltene zivilisierte Welt war zu verschieden und zu zerstritten, um etwas Besseres zu errichten, und wie wenig die Vereinten Nationen wert sind – gemessen am Anspruch, den man an sie hatte und wohl auch bei all dem, was sie für sich selbst in Anspruch nimmt –, weiß die Welt seit Srebrenica, dem unter den Augen der UN vollführten Massaker an 8.000 Bosniern, was die UN leisten: zu wenig.

So betrüblich das ist: Weit betrüblicher ist die Tatsache, daß die Performance der UN, wenn man das so nennen kann, seit Jahrzehnten abnimmt. Die UN ist nicht nur real schwach wie nie; sie ist aus einer Struktur, die moralisch hochstehend zu sein für sich stets in Anspruch nahm, zu einer in vielfacher Hinsicht verkommenen Haltung geraten. Wenn das einzige Land der Welt, das wegen angeblicher Mißachtung der Rechte der Frauen verurteilt wird, ausgerechnet Israel ist, dann ist das schon auch ein Menetekel an der Wand: So etwas braucht man nicht.

Die UN haben sich durch ihr Duckmäusertum, wenn’s mal ernst wird, selbst verüberflüssigt. Vielleicht ist ein neues System zu schaffen, das wieder die Autorität hat und die Mittel und Möglichkeiten, die Welt zu einem für mehr Menschen erträglichen Ort zu machen.

Aber solange ausgerechnet Saudi-Arabien im Menschenrechtsrat der UN sitzt, ist alles vergebens. Saudi-Arabien beteiligt sich insofern an der Hilfe für die Flüchtlinge, als es 200 Moscheen zu bauen sich bereit erklärt hat. Bei uns. Nein, so etwas ist derartig indiskutabel, daß man diese Akte allmählich schließen sollte.

Wenn das Alte nicht funktioniert, dann muß etwas Neues geschaffen werden. So, wie Pearl Harbour das Fanal für den Völkerbund war, sind der 11.09.2001 und der 13.11.2015 das Fanal der UN.

Bild: Photo der US Navy vom Oktober 1941, Public Domain

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