Einsatzfreude

 

#889 Niemand muß die CSU lieben. Man kann uns langweilig finden oder nicht hinreichend ausgeflippt, als zu ernsthaft oder zu erfolgreich wahrnehmen; das soll jeder machen, wie es ihm taugt und wie er damit glücklich wird. Freilich, wir bemühen uns durchaus um Zustimmung beim Bürger, aber wer sie uns versagt, der versagt sie uns eben. Damit leben wir, wie es jede andere demokratische Partei auch tut.

Der Bürger an und für sich versagt uns seine Zustimmung nicht. Die zwei direkt gewählten Bundestagsabgeordneten aus Nürnberg sind von der CSU: Michael Frieser aus dem Süden, Dagmar Wöhrl aus dem Norden. Die vier Landtagsabgeordneten: Karl Freller (Süd), Hermann Imhof (Ost), Michael Brückner (Nord), Markus Söder (West). Letztgenannter ist als Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat Mitglied der Bayerischen Staatsregierung – und erklärter Nürnberg-Fan.

Seitdem er Minister ist, setzt er sich in München dafür ein, aus dem Wöhrder See mehr zu machen als das schwarze Loch am Rande der Innenstadt, um das man herumlaufen oder herumfahren muß. Schon vor Jahren, als er Umweltminister war, schob er Dinge an, die dann sein Nachfolger in diesem Amt einweihte. Als Finanzminister und für Nürnberg engagierter Politiker macht er seitdem energisch weiter und wertet den Wöhrder See immer weiter auf.

Wir haben in Nürnberg einiges, was mit dem Namen Markus Söder verbunden ist. Fangen wir bei der Kaiserburg an, die er aus einem heute unverständlichen Renovierungsstau geweckt hat, die mit dem Hochzeitszimmer, aber auch dem Maria-Sibylla-Merian-Garten, der grandiosen Ausstellung und vielem anderen mehr der Vernachlässigung entrissen wurde. Denken wir an den Sitzungssaal 600, den er seinem unangemessenen „dual-use“-Charakter entreißt, indem er der Strafjustiz andere Räume gibt. Denken wir – auch so etwas gehört dazu – an die Begehung des Fernmeldeturms in Schweinau oder den unermüdlichen Einsatz für den Flughafen, gegen die zähe Unlust derer, die sich selbst genug sind und glauben, daß der Wohlstand auch ohne Flughafen vom Himmel fiele.

Dagegen fällt die Stadt schon etwas ab. So etwa hätte sie es doch sein sollen, die bei der Staatsregierung hartnäckig Geld und Engagement für die Kaiserburg fordert. Aber leider muß man es ihr nachtragen, sie zum Jagen tragen.

Die Reaktion auf das trotz erheblicher Mehrkosten auf lange Zeit ausgebuchte Trauzimmer in der Kaiserburg? „Allmächd, da mou mer ja nauf laufen“. Und die Reaktion der Stadt auf die Aufwertung der Wöhrder Sees? Erst einmal keine, dann hat die Stadt die Parkgebühren drum herum erhöht.

Und nun wird also wieder über eine Maßnahme am Wöhrder See berichtet, einen neuen Damm, der für die Wasserqualität wichtig ist. Und was schafft die Zeitung? Den Mann, der dafür mehr als alle anderen verantwortlich ist, mit seinem Hinterkopf abzubilden. Da ist es schon rätselhaft, welcher Schalk die Redaktion bei einer solchen Bildauswahl getroffen hat, aber derlei gehört in Nürnberg wohl dazu.

Freilich, es ist eine lächerliche Posse und ändert nichts an der Realität. Die Nürnberger wissen, wer sich laufend und immer wieder und bei vielen verschiedenen Vorhaben für sie einsetzt. Von der anderen Seite hört man übrigens wenig bis nichts. Zwar hat es Regierung leichter als Opposition, mit umgesetzten Taten in Erscheinung zu treten. Aber die Opposition hat doch auch die Aufgabe, die Regierung vor sich her zu treiben, sie mit Vorschlägen zu konfrontieren, Anregungen zu machen; sie es in München oder in Berlin. Und es fällt auf: Da kommt nichts. Viel mehr, als unsere Einsatzfreude zu ignorieren, fällt den Helden von Mögen-hätten-wir-schon-wollen,-aber-dürfen-haben-wir-uns-nicht-getraut nicht ein. Aber was soll’s? Mag die Zeitung unsere Hinterköpfe zeigen, wir machen das, was nötig ist und gut.

 

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