„Ich frage mich, warum in Bayern alles besser läuft“

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Claudia Roth 2006 – © Freud

#886 Das Bild ist etwas älter; es stammt von 2006. Aber Äußerungen von Claudia Roth (Grüne) sind zuweilen noch angestaubter. Jetzt aber hat sie etwas neues gesagt, etwas erstaunliches: „Ich frage mich, warum in Bayern alles besser läuft“.

Tja. Da sieht man, wo sie nach 28 Jahren bei den Grünen steht: Auf Seiten derer, die Bayern den Erfolg zugestehen. Und wieder erleben wir etwas, was für einen CSUler der normale Irrwitz geworden ist, und das geht so:

Wenn die CSU – also die Partei, die in Bayern seit 1957 regiert – etwas will, dann schreit das deutsche Spießbürgertum gern „Nein! Niemals! Mit mir nicht!“.

Das Feuilleton tobt, die Leitartikler schreiben Leitartikel, der politische Mitbewerber macht Sit-Ins oder sonst etwas Beeindruckendes. Nachdem die Aufregung eine große war, kommen doch die ersten nachdenklichen Stimmen, und kurz darauf, man hat es nicht gesehen, sind auf einmal alle für die Idee der CSU. Sie würden das natürlich nie sagen.

Was wurden wir von der CSU gescholten, als wir hartnäckig für Sprachkurse eintraten und Zuwanderer aufforderten, deutsch zu sprechen. Wir waren die Leitkultur-Imperialisten, die von der Zeit überholten, altertümelnden Spaßverderber. Und heute? Heute ist beinahe das gesamte politische Spektrum, jedenfalls das demokratische, der Ansicht, daß Sprache vielleicht nicht alles ist, aber ohne Sprache alles nichts; auch wenn man teilweise das Wort „Leitkultur“ nicht mag und gerne auch zwischen „deutscher Leitkultur“ (angeblich böse) und „Leitkultur in Deutschland“ (nicht ganz so böse) unterscheidet.

Ähnlich ist es bei der Frage von Grenzkontrollen. Von Markus Söder vorgeschlagen, waren viele ganz entsetzt. „Nein! Niemals! Mit mir nicht!“ hallte es wieder durch den Blätterwald. Und nun? Nun ist die Forderung nach Grenzkontrollen eine selbstverständliche Forderung quer durch das politische Spektrum.

Und nun also: Claudia Roth. Sie ist ja nun nicht gerade einer besonderen Liebe zur CSU verdächtig. Und trotzdem sagt sie, die seit langem in Parlamenten sitzt, die als Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags doch eine herausgehobene Stellung hat, diesen Satz: „Ich frage mich, warum in Bayern alles besser läuft.“

Was will uns Claudia Roth damit sagen? Daß man ihr einen CSU-Mitgliedsantrag zusenden möchte? Wohl eher nicht. Es ist nur der erste Schritt in diese Richtung. Es ist das Zurkenntnisnehmen der Realität, die da eine klare Sprache spricht. Erfolgreiche Politik, bayerische Politik, ist Politik der CSU.

Auch wenn wir fordern, daß unsere Grenzen zu schützen sind, dann ist das heute in den Augen vieler nicht richtig. Aber auch sie werden erkennen, daß das weder böse noch schlecht noch hartherzig ist, sondern vor allem eines: vernünftig. Und deswegen, weil wir Politik aus Vernunft heraus machen, läuft in Bayern alles besser. Danke für die Bestätigung, Frau Roth.


		
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