Vom schwebenden Delphin und anderen Merkwürdigkeiten

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© Freud

#884 Manche Dinge will niemand, aber sie passieren unausweichlich im Zuge anderer Dinge. Wenn ein Delphin etwa im Nürnberger Tiergarten zeigt, was er kann, dann scheint er einen Moment lang zwischen den Bäumen zu schweben, und wer Glück hat, drückt in diesem Sekundenbruchteil auf den Auslöser.

Wer vom Plärrer zum Bahnhof fährt, der erlebt lauter nette Zeitgenossen und die Fähigkeit des angeblichen Verkehrsplanungschefs, diesen Verkehr durch absurde Ampelschaltung zum Erliegen zu bringen. Da können die anderen Verkehrsteilnehmer nicht viel dafür: Sie werden eben für diesen Zweck instrumentalisiert.

Friedrich Schiller war nicht nur einer, dessen Werke man sich vielleicht an diesem Wochenende einmal wieder vornehmen sollte; alleine „Die Glocke“ ist von großartiger Klarheit über das Leben.  Von ihm stammt aber aus seinem Werk „Wilhelm Tell“ auch der Satz: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“.

Und deswegen sagen wir nicht, daß die Nachbarn böse sind – aber wir sorgen vor. Deswegen haben unsere Häuser eine Tür. Wären alle Menschen nur gut, wäre das vielleicht gar nicht nötig. Indem der Architekt eine Tür vorsieht, sagt er nicht „Die Menschen sind alle böse“. Aber weil es Menschen gibt, die nicht nur gut sind, sichert jeder sein Heim.

Jeder sperrt sein Auto ab. In ganz frühen Zeiten, noch ohne Zentralverriegelung, war das zuweilen ein vier Türen umfassendes Ritual. Mit der Zentralverriegelung wurde es dann leichter, und seitdem das die Funkfernbedienung macht, ist es nur noch ein cooler Tastendruck, zuweilen mit einem freundlichen Blinken des Autos quittiert, aber: jeder macht’s. Und ganz neu ist die Variante, daß das Auto erkennt, wenn sich der Fahrer nähert, und sich selbst entriegelt. Deswegen unterstellt man nicht jedem anderen, daß er ein Autodieb wäre.

Bei jeder Reise im Flugzeug ist ein jeder bereit, sich durchsuchen zu lassen. Deswegen sagt mir der Herr Hupe vom Nürnberger Flughafen nicht „Sie sind ein Terrorist!“ ins Gesicht, aber da Flugzeugentführer sich gerne unter harmlose Reisende mischen, muß diese Maßnahme zur Verbesserung der Sicherheit eben sein.

Und an unseren Grenzen sollen Kontrollen auf einmal böse sein? Wieso nehmen wir hin, daß jeder zu uns kommen darf und wir nicht einmal ahnen, wer gerade die Grenze übertritt?

Die Mörderbande vom Islamischen Staat wäre dumm, und das nun ist sie ausgerechnet nicht, wenn sie sich diesen absurden Zustand an unseren Grenzen nicht zunutze machte.

Damit ist nichts gegen Flüchtlinge gesagt. Sie fliehen eben vor dem Islamischen Staat. Wir aber können die Sicherheit unserer Bürger nicht auf kindische Hoffnung gründen – auf der Hoffnung, daß der Islamische Staat mal eben so anständig wäre, diese offenen Grenzen nicht für seine Zwecke zu mißbrauchen, die Flüchtlinge nicht für seine Zwecke zu mißbrauchen.

Grenzen sind nicht irrelevant. Im Privatleben wie im Öffentlichen sind Grenzen unter anderem identitätsstiftend. Sie machen den Unterschied aus zwischen der einen und der anderen Entität. Und es komme bitte niemand mit einem Wolkenkuckusheimgerede; das hat in der Realität nichts zu suchen.

Ein Herr Erdogan läßt ein Flugzeug des Herrn Putin wegen einer Verletzung des Luftraums abschießen; ein Mensch stirbt. Nun muß man sich das angesichts der Tatsache eines lediglich Sekunden andauernden Eindringens ohne erkennbar feindselige Absicht nicht wirklich zum Vorbild nehmen, aber andererseits ist das selbstzerstörerische Laissez-faire an unseren Grenze nicht hinnehmbar. Es ist rechtswidrig, schlecht und dumm.

Die Einreise nach Deutschland hat über kontrollierte Grenzübergänge zu erfolgen und sonst nicht. Im Übrigen stelle ich den Antrag, daß unsere Grenzen zu schützen sind.

 

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