Kühler Empfang

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#876 Auf dem CSU-Parteitag in München wurde heute nachmittag die Bundeskanzlerin und CSU-Vorsitzende erwartet. Angela Merkel kam etwas später; es soll vom CSU-Vorsitzenden Ministerpräsident Horst Seehofer Gesprächsbedarf angemeldet worden sein.

Beim Betreten des Saals wurde laute, wohl Begeisterung zur Verströmung bringende Musik zu Gehör gebracht; allein: sie strömte nicht, die Begeisterung. Es klatschten natürlich viele, aber auffällig war, daß noch mehr nicht klatschten und einzelne Buh riefen und pfiffen. Andere schienen zu klatschen, aber erstaunlicherweise war nichts zu hören. Merkwürdige Szenen.

Der Schwung und die Kraft, mit der die Damen und Herren vom BKA die Photographen und Kameraleute beiseite schoben und schubsten, stand in merkwürdigem Gegensatz zu lauen Wärme des dann folgenden Auftritts.

Die Musik verklang. Richtig waren ihre Worte jedenfalls zu Beginn ihrer Rede, als sie auf den Terror in Frankreich zu sprechen kam. Aber nachdem sie hier Richtiges und Wichtiges sagte, fiel die Zustimmungskurve in der Münchner Messehalle ab.

Recht merkwürdig mutete etwa eine Passage an, in der sie wie eine Oppositionspolitikerin zur Kontrolle der Grenzen aufrief. Wer, wenn nicht sie, ist als Bundeskanzlerin dafür in der Verantwortung?

Der Applaus während und nach ihrer Rede war gering. Sie hat mit ihrem lustlosen, abgelesenen Kurzreferat, das den Eindruck der aktuellen Standardansprache weckte, nicht überzeugen können.

Der CSU-Vorsitzende Ministerpräsident Horst Seehofer, der danach sprach, gratulierte ihr zu zehn Jahren Kanzlerschaft. Und es ist wahr: Diese Bundeskanzlerin hat Deutschland gut geführt. Man konnte auch bei schwierigen Entscheidungen ein Grundvertrauen haben, daß sie es richtig mache. Es war einst so; derzeit ist es nicht so. Angela Merkel irrt. Der Parteitag der CSU mit seinen tausend Delegierten zeigte ihr das. Beim Glückwunsch zum Zehnjährigen freilich applaudierte man ihr: dafür hat sie Anerkennung und Glückwunsch mehr als verdient. Über die vergangenen Leistungen braucht man nicht zu räsonieren; die waren mehr als gut.

Sie mußte sich dann noch, auf der Bühne stehend, von Horst Seehofer die Forderungen nach Begrenzung der Zuwanderung und Sicherung unserer Grenzen anhören; der Applaus, den er dafür erhielt, war lauter und länger als der gesamte Applaus für Angela Merkel. Und Horst Seehofer versäumte nicht, wie andere Vorredner auch, auf Markus Söder einen zustimmenden Bezug herzustellen. Überhaupt, auch wenn die beiden vielleicht nicht mehr die allerbesten Freunde werden: Sie respektieren sich, und offensichtlich ist Markus Söder stets bereit, um der Sache willen Teamgeist nicht nur zu fordern, sondern auch in der Tat unter Beweis zu stellen. Er sprach zum Leitantrag, und daß er bei einer Gegenstimme quasi einstimmig angenommen wurde, darf man auch als Zustimmung für ihn, der diesen Antrag vor den Delegierten zur Annahme empfahl, werten.

Angela Merkel ging nach kurzem Applaus – weniger wäre unhöflich gewesen – auf kurzem Weg aus der Halle. Das letzte Mal in München blieb sie bis zum Abend (der Verfasser dieser Zeilen trank ein Glas Wein mit ihr und freute sich damals darüber). Das letzte Mal in Nürnberg bekam sie Besuch vom Christkind und Geschenke. Dieses Mal bekam sie einen Blumenstrauß, den sie gleich weiterreichte. Sie verließ den Saal eher schmallippig. Ihre Mimik kündete nicht von allerbester Laune.

Ihr Auftritt dauerte eine gute Viertelstunde. Ihr schallte Widerrede entgegen, ihr trat der CSU-Vorsitzende entgegen, ihr verweigerten viele Delegierte den Applaus.

Angela Merkel ist in der Wirklichkeit angekommen.

 

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