Und FJS?

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#875 In aufgeregten Zeiten ist es gut und tut es gut, einmal nicht auf die hektischen Anforderungen des Alltags zu reagieren, sondern die großen Linien zu erkenne, à la longue zu schauen, um klar zu sehen. Denn wenn die Orientierung stimmt, dann ergeben sich daraus die einfachen Entscheidungen des Alltags.

Parteitage sind solche Etappen, auf denen es gut ist, innezuhalten. Man darf sich dann auch durchaus einmal fragen, ob die heute getroffenen Entscheidungen die Zustimmung von denen fänden, die vor uns waren. Und in der CSU mündet das quasi unausweichlich in die Frage, was Franz Josef Strauß dazu gesagt hätte.

Natürlich darf man nicht dem Irrtum unterliegen, den FJS von damals in die Politik von heute einfach übertragen zu wollen. Dies Gedankenexperiment soll nicht eine Klamotte werden, sondern die Sicht erhellen. Nicht die gelegentliche Hemdsärmeligkeit und Grobheit von FJS soll dem zugrunde gelegt werden, sondern der Intellektuelle FJS, der Stratege, der Großbürger, der Humanist.

Eines kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen. Strauß dürfte als klassisch erzogener Mensch heute von den drei Hügeln sprechen, auf denen Europa geistig steht: Jerusalem, Athen und Rom. Das Sittliche, die Demokratie und die Fähigkeit zur Herrschaft sind mit diesen auf Hügeln liegenden Städten verbunden; sie zusammen sind das geistige Fundament dessen, was wir sind.

Sie sind auch das, was andere in einer jovialen Ungebildetheit geringschätzen, für überkommen halten und meinen, daß doch mal etwas Neues her müßte. Und sie sind das, was die Feinde der Menschheit bekämpfen. Auch mit Bomben: mit Bomben in Flugzeugen, mit Schüssen auf Rockkonzerten, vor Restaurants.

Aber man darf auch unterstellen, daß FJS für etwas anderes eingetreten wäre – und er hätte es gewiß zum Gehör des Kanzlers gebracht, auch wenn andere das nicht wünschen: Strauß hätte die umgehende Wiederherstellung der Sicherheit unserer Grenzen gefordert und bewirkt.

Noch einmal und nur zur höchstvorglichen jedes bewußten Falschverstehens: Wer das zur Feindseligkeit gegenüber den Flüchtlingen uminterpretiert, kann sich nicht mehr auf ein Mißverständnis herausreden; dem trieft der schlechte Wille aus der Feder. Wir kontrollieren jeden, der in ein Flugzeug steigt, und sagen damit nicht jedem Fluggast, daß er ein verkappter Terrorist sei. Wir kontrollieren jeden, der in die Staatskanzlei geht, und sagen damit nicht jedem Besucher, daß er ein verkappter Terrorist sei. Wir sollten auch jeden kontrollieren, der in unser Land kommt. Damit setzen wir ihn nicht dem Verdacht aus, ein Terrorist zu sein.

Es ist aber die grundlegende Pflicht einer Regierung, für den Schutz ihrer Bürger zu sorgen. Das Böse – ob nun IS oder sonstwer – ist nicht dumm. Es wird sich den rechtlosen Zustand an unseren Grenzen schnell zunutze machen. Wer wird die Verantwortung dafür tragen?

Es ist unsere Pflicht, unsere Grenzen zu schützen. Freilich: Es gibt Grenzübergänge, und über die sollen die Menschen einreisen. Auch die, die unseres Schutzes bedürfen. Wir werden uns gut um sie kümmern. Ein Teil wird zurückgehen, wenn es möglich werden wird, und ein Teil wird bleiben. Die, die bleiben, sollen nicht als Verlierer unserer Gesellschaft am Rande stehen, sondern in sie integriert werden. Und die, die wir nicht aufnehmen können, müssen woanders Zuflucht suchen. Der Satz mag nicht schön sein, wenn man ihn an einer Wunschwirklichkeit mißt. Aber daß wir so viele aufnehmen können, ist mehr als gut.

Aber bei alledem brauchen wir den Sinn für die Realität. Die erfordert, daß der Staat das tut, wofür er da ist. Mit welchen Worten Strauß das gesagt hätte, weiß ich nicht. Aber vielleicht hätte eine Rede von ihm mit den Worten begonnen: „Paris ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen.“

Illegale und unkontrollierte Zuwanderung ist nicht die Ursache für Paris – und der Urheber dieser Worte in Parenthese hat das klargestellt. Aber angesichts des Terrors, der in Europa wütet, dürfen wir Zustände, wie sie jetzt noch an den Grenzen auch Deutschlands herrschen, nicht dulden.

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