Der Witz als politische Kategorie

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#871 Vor 110 Jahren veröffentlichte Sigmund Freud seine Schrift „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“. Darin erkannte er, daß der Witz eine Technik des Unbewußten zur Einsparung von Konflikten und zum Lustgewinn sei. Recht hatte er – und womöglich ahnte er nicht einmal, wie sehr.

Eine Heimstätte des Witzes ist zuweilen die sich selbst als oberste Hüterin des Weltfriedens und Bewahrerin des Völkerrechts bezeichnende UN, die Vereinten Nationen. Sie wurde einst im Zuge des Zweiten Weltkriegs gegründet, um eine Wiederholung einer solchen Katastrophe der Menschheit zu verhindern.

Die UN macht dauernd etwas, was der Welt zum Staunen gerät. So etwa fährt der UN-Generalsekretär diese Woche nach Nord-Korea; im Vorfeld der Reise wurde das dortige steinzeitkommunistische Horror-Regime natürlich nicht mehr kritisiert, denn: als man dies beim letzten Mal tat, lud Nord-Korea den Herrn Generalsekretär wieder aus. Jetzt also, beim zweiten Anlauf, macht die UN das, was Nord-Korea von ihr verlangt. Und jedes Kind, jeder Diktator lernt gleich die erste Lektion im Umgang mit der UN: Je böser und härter einer auftritt, um so eher wird die UN gehorchen; im Umgang mit dem Bösen wird die UN ziemlich feige. Dafür traut sie sich dann um so mehr, wenn es nicht weiter gefährlich ist.

Die UN hat viele Unterorganisationen. Eine davon ist die „United Nations Commission on the Status of Women“, kurz: CSW. Die tagt einmal im Jahr in New York, und New York ist schließlich immer einen Ausflug wert.

Aber das CSW kümmert sich um die Rechte von Frauen. So geht es dem CSW ausweislich seiner eigenen Statuten darum, Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu verhindern. Außerdem sollen Frauen die gleiche Verantwortung übernehmen können wie Männer. Sehr gut. In vielen Staaten der Welt ist das Realität, in anderen noch nicht.

Nun sind im CSW auch einige Staaten versammelt, bei denen es um die Rechte von Frauen nicht unbedingt zum Allerbesten steht. Pakistan, etwa. Oder Indien. Oder die Islamische Republic Iran, wo Frauen schon mal gesteinigt werden. Oder der Sudan, wo mit fast allen Frauen das geschieht, was hinter dem verharmlosenden Wort „Genitalverstümmelung“ steht. Wir wissen alle, daß es um die Recht der Frauen in dieser Welt nicht so gut steht. Da ist noch viel zu tun.

Verurteilt der CSW etwa Saudi-Arabien, weil Frauen dort nicht einmal Auto fahren dürfen? Nein. Oder den Iran, wo es ihnen vorgeschrieben ist, daß sie verschleiert als gesichtslose Niemande durch die Öffentlichkeit gehen – allerdings nur dann, wenn es ihnen ihr Besitzer erlaubt hat? Nein. Verurteilt der CSW den Sudan, weil dort den Frauen Schmerzen zugefügt werden, daß ihre Schreie auch bei uns noch in den Ohren gellen müßten? Iwo. Der CSW hat andere Sorgen.

Der CSW verurteilt – als einziges Land auf der Welt! – Israel. Denn, so die absurde Behauptung dieses absurden Gremiums: Israel stünde mit seine Politik auf der Westbank der Gleichberechtigung der Frauen dort im Wege.

Ach. Da muß man doch erst mal sitzen und schnaufen. Wie? Israel verhindert, daß die palästinensischen Frauen so „gleichberechtigt“ sind wie die in Gaza? In Israel haben sie die gleichen Rechte wie Männer, aber irgendwie ist das nicht genug. Man sollte sie wohl steinigen, unterdrücken, verstecken, besitzen, foltern wie in einigen Staaten, die im CSW Mitglied sind.

Die UN haben sich schon oft blamiert und die Frage aufgeworfen, ob wir sie überhaupt brauchen. Wenn Not am Mann ist, glänzt sie in der Regel durch Arbeitsverweigerung. Unvergessen, wie 1995 serbische Mörder über 8.000 Bosnier bei Srebrenica töteten und die UN-Blauhelm-Soldaten zuschauten. Das ist schon ein Grad von Versagen, der seinesgleichen sucht.

Die CSW macht die Beachtung von Frauenrechten zur Persiflage ihrer selbst, wenn sie die einzige Demokratie, den einzigen Rechtsstaat im Nahen Osten verurteilt – und all die Staaten der Welt, in denen Frauen rechtlos sind, wertlos behandelt werden, verletzt werden, gequält werden, keinen sozialen Status haben, nicht einmal beim Namen nennt. Vor so einem CSW muß nun wirklich niemand Sorgen haben; so etwas bringt Schande und Scham.

Das nächste Mal, wenn jemand unausgegorene Phantasien in Bezug auf die UN zum Besten gibt, ist er dringend mit Verweis auf die Absurdität dieses Vereins zur Räson zu bringen. Freilich, wir brauchen eine weltumspannende Organisation – aber ob diese, ihren eigenen Werten Hohn sprechende Organisation das sein kann, wird man bei einer solchen Leistung wohl hinterfragen müssen. Besser wäre es, wenn sie geschwiegen hätte.

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