Vom Werden und Vergehen

#847 Heute soll es um Spezies gehen: Um seltene Spezies, um neue Spezies, um alte Spezies und um aussterbende Spezies.

Seltene Spezies

Eine allzu seltene Art ist der Kunde auf dem Gostenhofer Wochenmarkt. Dieser wurde im Frühjahr dieses Jahres eingerichtet, es hat wohl viel Mühe gekostet, und seitdem steht er jeden Donnerstag in der Landschaft herum, genauer gesagt um die Dreieinigkeitskirche, und keiner kommt. Die heute berichtende Zeitung zeigt eine Standinhaberin mit einem Kunden, der als selten genug angesehen wird, um ihn in der Bildunterschrift mit Namen zu nennen.

Es ist halt schwer. Das Gemüse kostet hier etwas mehr als bei der Norma um die Ecke. Der Käseladen oder der Metzger schlagen sich wacker (während der Fischhändler, der übrigens selbst keinen Fisch ißt, schon nicht mehr kommt), aber wenn der Herr Zeitgeist auf der einen Seite eine angebliche „Gentrifizierung“ sieht, auf der anderen Seite aber augenscheinlich das Publikum nicht da ist, um gediegene, aber freilich auch gediegen viel Geld kostende Lebensmittel zu kaufen – dann ist wohl die Grundannahme der „Gentrifizierung“ falsch. Der Wochenmarkt war schön, aber er scheint keinen Erfolg zu haben.

Neue Spezies

Als eine neue Art kann wohl der „Migrationsforscher“ gelten. (Das können Sie, lieber Leser, gerade nicht sehen, aber die Rechtschreibprüfung unterringelt dieses Wort in rot). Die Nürnberger Nachrichten stampfen diese Art, ja: diese Gattung heute auf S. 1 aus dem Boden. Holla, denkt sich da der brave Leser, hat er da etwas verpaßt? Nun ja. Es ist eigentlich eine normale Entwicklung. Wenn ein Phänomen auftaucht, dann tauchen auch sofort die Nutznießer auf. Glauben manchen an ein Waldsterben, dann kommen die Waldsterbenforscher. Glauben andere daran, daß die Computer weltweit mit der Umstellung von 1999 auf’s Jahr 2000 nicht zurechtkommen, dann verkaufen clevere Menschen den weniger cleveren Menschen irgendwelche Schutzmaßnahmen für teuer Geld. Glauben einige an den menschengemachten Klimawandel, dann bezahlen wir Milliarden für etwas, was keiner sieht. Aber dann muß es ja wahr sein, oder? CO2 ist der neue Fetisch (angeblich böse), Migration der andere neue Fetisch (angeblich gut). Dabei darf man durchaus beides korrigieren. Beides, CO2 und Migration, kann gut oder schlecht sein. Schlecht ist Migration dann, wenn sie schöngeredet und die aus ihr resultierenden Probleme bagatellisiert werden. Wenn Andrea Nahles (SPD) zugibt, daß nur etwa 10 % von ihnen in den Arbeitsmarkt integriert werden können, dann ist das eine schlechte Botschaft. Wenn in den Erstaufnahmeeinrichtungen Gewaltausbrüche, vulgo: Massenschlägereien vorkommen, dann ist das eine schlechte Nachricht. Wenn mit den Zuwanderern Menschen hier ankommen und einen Platz in dieser Gesellschaft beanspruchen, gleichzeitig aber Israel vernichten wollen, Frauen weder die Hand geben noch sie beispielsweise als Ärztinnen akzeptieren, das Grundgesetz verachten und einer Scharia folgen wollen, dann ist das eine schlechte Nachricht. Von der zu sprechen, finden aber manche ganz böse. Diese Menschen halten wohl Wegschauen für eine intellektuelle Tugend.

Aussterbende Spezies

Mal wieder steht NorisBike vor Problemen. Das ist schon ein Witz. Da gibt es dieses Fahrradverleihsystem, das quasi niemand braucht und kaum jemand nutzt, vor allem dafür, daß die Befindlichkeit unseres tollen Herrn „Verkehrsplaners“ Frank Jülich („Ich habe keine Führerschein und bin deswegen für mein Amt qualifiziert“) geschont wird. Es waren mal 142.000 Verleihvorgänge geplant. Es werden heuer wohl 51.000. NorisBike macht Verluste wie blöd. Man sollte von diesem Experiment des Irrsinns die Hände lassen. Aber nein, meint Frank Jülich, und der Mann („Pfosten-Jülich“) muß etwas davon verstehen, oder? Oder. Da soll „sanfter Druck“ ausgeübt werden, daß die Stadt das System nutzt und bezahlt. Also: Quersubventioniert. Ob das mit dem europäischen Vergaberecht in Einklang zu bringen ist, daß ein privatwirtschaftliches Unternehmen wie NorisBike durch städtische Anordnungen, die in der Sache nicht begründet sind und die nicht ausgeschrieben sind, am qualvollen Leben erhalten wird? Aber einen echt kernigen Sozialisten oder Kommunisten hat es ja noch nie gestört, daß er den Menschen, wenn er erst einmal in der Lage ist, zu kommandieren, vorschreibt, wie sie gefälligst zu leben haben, damit es ihm paßt. Außerdem macht er sich einen Plan, und der ist dann die Wirklichkeit. Die echte Wirklichkeit – daß nämlich nicht genügend Menschen diesen Blödsinn wollen –, mag er nicht sehen. Lieber will er alle 300 m (!) eine Fahrradverleihstation aufmachen. Vom Bahnhof bis zur Burg wären das dann etwa fünf Stück. Jülich setzt wohl auf den Mitleid-Effekt. Kann man diesem Mann mal eine berufliche Veränderung zuteil werden lassen?

Alte Spezies

Es gibt zwei Wirklichkeiten: die eingebildete und die wirkliche. Eingebildet, und das kann man heute in den Nürnberger Nachrichten lesen, ist der Hai eine Art verschmuste Perserkatze, die nur spielen will. Komisch aber, daß Filme wie Der weiße Hai I – III extrem erfolgreich sind (übertroffen quasi nur von Jurassic Park I – III). Und da erleben wir wieder etwas, was uns allen zu denken geben sollte. Während auf der einen Seite eine Wirklichkeit beschrieben wird, wie sie sein sollte, haben wir auf der anderen Seite die Wirklichkeit, wie sie ist. Während sich die Zeitungen mit der ersteren befassen, hat es die Politik mit letzterer zu tun. Zeitungen mögen einen Wochenmarkt bejubeln, aber die Politik muß das Problem lösen, wenn keiner hingeht. Die Zeitungen mögen die (Flüchtlings-) Zuwanderung bejubeln, aber Polizei und Politik müssen mit den Problemen, die damit einhergehen, fertig werden und gegebenenfalls die Zuwanderung stoppen. Und so gibt es alte und neue, seltene und aussterbende Spezies, aber vor allem tut eines Not: ein unverstellter Blick auf die Realität.

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