Er ist es schon

#836 In der aktuelle Ausgabe der ZEIT steht ein dreiseitiges Dossier über Markus Söder. Der Autor macht sich an den Versuch, zwischen der Person Markus Söder und der „Marke Söder“ zu unterscheiden. Er gibt sich Mühe, einige Sottisen unterzubringen, und unschöne Standardvorurteile über ihn zu wiederholen. Macht nichts, denn es kommt auf etwas anderes an.

Auch die ZEIT bringt damit zum Ausdruck, daß hier der kommende Ministerpräsident portraitiert wird. Eine solche, ganze drei Zeitungsseiten umfassende Darstellung erfährt nun wirklich nicht jemand, von dem man nicht für die Zukunft einiges erwartet. Der Autor schwankt ein wenig hin und her, ob er am Politikbetrieb etwas auszusetzen hat oder hier und da dem Markus Söder eins mitgeben will, aber er bringt – volens oder nolens volens – einige der wirklichen Eigenschaften. So etwa, wenn Bürgermeister aus dem Landkreis um Passau, also keineswegs aus unserem CSU- oder Regierungsbezirk, zitiert mit den Worten, daß Söder hält, was er verspricht. Da kommen die erwartungsgemäß schlecht über ihn redenden wie die Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag, Margarete Bause zu Wort. Sie sagt, daß Markus Söder keine Überzeugungen habe. Da darf man sich aber schon wundern, wenn gleichzeitig die Kritik an seinen Überzeugungen groß ist. Was Frau Bause hier tut, wird umgangssprachlich als „Gesülze“ bezeichnet.

Und so geht es immer weiter. Es wird beschrieben, wie Markus Söder dies macht und jenes tut, und daran wird entweder sein politischer Erfolg festgemacht oder ein Grund für Kritik meist ehemaliger Weggefährten.

Im einzelnen ist das belanglos. Nicht belanglos aber ist, daß es nicht nur bezüglich der vermeintlichen Mitbewerber um höhere Aufgaben solche Portraits nicht gibt, es ist auch augenscheinlich, daß es solche Portraits über auch amtierende Politiker kaum gibt. Was alles im Raum stehen muß, was alles erwartet werden wird, wenn die Redaktion der ZEIT im fernen Hamburg sich entschließt, ein ganzes Dossier über Markus Söder zu machen, dann ist eines mehr als klar: er wird nicht nur weiter aufsteigen; er ist schon längst ganz oben. Über einen, der nur vielleicht irgendwann etwas wird, macht die ZEIT so etwas nicht. Und wenn man sich die Reden von Markus Söder seit längerer Zeit anhört, dann merkt man auch, daß hier nicht einer einfach nur für den Moment spricht. Da merkt man, daß einer das Format hat, Verantwortung über das Bierzelt hinaus zu übernehmen. Er spricht den Menschen nicht nach dem Mund, er läßt manche Nachdenklichkeit mit in die Gedankenführung einfließen, er läßt immer wieder deutliche Grundwerte erkennen. Markus Söder ist mehr als nur ein Mann im Kommen: er ist schon da.

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