Hört, hört!

#835 An manchen Tagen wacht man auf und denkt und hofft, daß es ein schöner Tag wird. Da der Franke an sich ein Optimist ist, sieht er in die Zeitung. Schon auf der ersten Seite derselben aber stutzt er und fragt sich, ob es wirklich eine gute Idee war, auch an diesem Tag wieder aufzustehen. Wer im Bett liegen bleibt und die Welt da draußen Welt sein läßt, hat manchmal mehr vom Leben.

Was ist passiert? Ein Gericht tagte, es kreiste also und gebar den munteren Spruch, daß auch schwach frequentierte Haltepunkte der Bahn mit Lautsprechern oder Schriftanzeigen auszustatten seien.

Uff. Vor soviel Weisheit der Damen und Herren in der karmesinroten Robe erstarre ich kurz in Ehrfurcht, um dann ein leises Lächeln meine Mundwinkeln umspielen zu lassen. Wofür soll das denn gut sein?

Nun kommt es zuweilen vor, daß man auf Bahnhöfen herumsteht und sich das Gwaaf aus den Lautsprechern hören muß.

„Aus Gründen der Sicherheit und Sauberkeit ist das Rauchen nur in den Raucherbereichen gestattet“: Ein Satz voller Unsinn. Was das mit „Sicherheit“ zu tun haben soll, weiß nun wirklich kein Mensch. Zwar ist das mit dem Rauchen Vergangenheit und hier wird nicht pro domo gesprochen, aber man muß den Raucher an und für sich ja nicht zum Prügelknaben der Nation machen, an dem sich jeder wohlfeile Schwätzer, eingeleitet mit wichtigtuerischer Fanfare, gerne sein Mütchen kühlen kann.

Wenn dann aber wirklich einmal etwas wichtiges passiert, dann schweigen diese Lautsprecher stille. Vor einigen Wochen galt es, für eine Veranstaltung den Referenten am Nürnberger Hauptbahnhof vom ICE abzuholen. Derjenige ist ein deutscher Hochschullehrer, und als solcher Professor nicht unbedingt mit dem Alltagsleben sehr vertraut. Der Zug hatte ordentlich Verspätung und hielt, aus Würzburg kommend, aus mir unerfindlichen Gründen in Fürth. Warum auch immer ein Zug in Fürth hält – womöglich aus Reminiszenz an den Adler; man weiß es nicht. Jener Professor also stieg dort aus und besah sich die Lage. Aus den Lautsprechern am Fürther Hauptbahnhof, die wohl vorhanden sind, erschall: nichts. Auf dem Nürnberger Bahnhof erschall die Verspätungsmeldung, und dann wurde der Zug plötzlich nicht mehr angezeigt. Er verschwand einfach wie ein Eis am Stil: plötzlich weg.

Die sonst so blöde quakenden Lautsprecher blieben stumm. Der mäßig engagierte Herr am Informationsschalter hatte auch nicht mehr Informationen als das oft genug zentral bespielte Lautsprecherinformationssystem. Endlich war der Handykontakt hergestellt, und der Herr Professor konnte mit der U-Bahn die Reise ins weit entfernte Nürnberg fortsetzen, wo er gerade noch pünktlich zum Vortrag kam.

Zurück zum Spruch des Bundesverwaltungsgerichts. Wäre es nicht besser gewesen, der DB aufzugeben, daß sie durch die vorhandenen Lautsprecher richtige und wichtige Informationen durchsagen läßt, als ihr die unsinnige Beschallung auch auf weniger frequentierten Bahnhöfen vorzuschreiben?

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