Gelenkte Demokratie?

#833 Man kennt es ja, man weiß Bescheid: Köln. Köln! Ein wenig Lummerland, ein wenig Wanne-Eickel, ein wenig Sylt. Harald Schmidt hat dort seine Sendungen produziert, und oft genug hatten seine Gäste im Studio über die Besonderheiten Kölns rund herum zu staunen. Jetzt staunt die ganze Republik. Warum?

Weil die Kölner nicht einmal eine Wahl hinbekommen. Das ist so peinlich, daß es schmerzt. Sie haben Wahlzettel gedruckt, bei denen die Namen der Parteien riesig gedruckt sind, die der Kandidaten winzig. Siehe Bild. Und warum ist das wichtig? Warum kräht man danach?

Deswegen, weil die SPD natürlich ihren Kandidaten hat. Da steht dann groß „SPD“ daneben. Die CDU aber hat in Köln eine gemeinsame Kandidatin mit der FDP und den Grünen aufgestellt: Deren Name ist fast nicht zu lesen, und da sie die parteilose Kandidatin mehrerer Parteien ist, steht eben bei ihr nicht „CDU“ oder sonst etwas, sondern – nichts. Um das Chaos noch perfekt zu machen, steht bei denen, die für als Parteikandidaten antreten, der Name der Partei zweimal da, damit ihn ja keiner übersehen kann. Bei den anderen steht etwa „Einzelbewerber“ da, was so klingt, als sei das ein einzelner Querulant, der sich da wichtig nimmt.

Die Hoffnung der Gestalter jenes Wahlzettels war wohl, daß der Wähler, dumm wie er ist, nicht genau hinschaut, aber das riesig gedruckte „SPD“ auch so erkennt und aus alter Verbundenheit zur Partei mit den schönen Liedern sein Kreuz macht – weil es sich so heimelig anfühlt. Brüder, zur Sonne, zur Freiheit…

So geht’s natürlich nicht. Aber in Köln macht man nicht so viel Aufhebens davon. Die Wahl mußte man verschieben, nachdem die Bezirksregierung dieses Unfug gestoppt hat. Das kostet Millionen. Die Wahlleiterin Kölns behauptete noch kess, daß die längst ausgegeben Wahlzettel für die Briefwahl gültig seien, als die Bezirksregierung schon das Einstampfen der Wahlzettel beschlossen hatte. Drum merke: Es bewerbe sich nicht als Wahlleiter, wer schon als Schiedsrichter bei einer Partie Mensch-ärgere-dich-nicht überfordert wäre. Ein wenig Nähe zur Demokratie darf man da schon haben.

Aber in Köln hat man Erfahrung damit. Bei der letzten Wahl verwechselte man in beim Auszählen einem Bezirk CDU und SPD. Kann schon mal vorkommen, wie?

Genau aufgrund dieser Verwechslung hatte die SPD im Kölner Rathaus eine Stimme Mehrheit. Eine. Jetzt hat man den „Irrtum“ bemerkt – und jetzt hat die SPD keine Mehrheit mehr. Vielleicht auch keinen Oberbürgermeister und keine Wahlleiterin mehr, die – das ist natürlich reiner Zufall – derselben Partei angehören und nahestehen.

Demokratie braucht Wachsamkeit.

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