Krieg der Geschlechter

Henry Kissinger – © Public Domain
Henry Kissinger – © Public Domain

#828 Bin ich ein Macho? Bin ich ein männlicher Chauvinist? Der in Fürth (ja, ja…) geborene Henry Kissinger, seines Zeichens als amerikanischer Außenminister ein Realpolitiker und ausnehmend erfolgreicher Diplomat, weiß auch hier richtiges auf schöne Art zu sagen: „Niemand wird jemals den Krieg der Geschlechter gewinnen. Es gibt auf diesem Gebiet einfach zu viel Verbrüderung mit dem Feind.“

Ja, das stimmt zweifelsohne – aber daß niemand diesen Geschlechterkrieg je gewinnen wird, heißt nicht, daß nicht gekämpft werden würde. Teilweise übrigens mit den Waffen der Verdruckstheit, der billigen Gesinnungsethik, der Larmoyanz.

Was ist passiert? In einer dieser ungezählten, billig zu produzierenden und wohl auch deshalb allgegenwärtigen TV-Shows wurde über „Deutschland im Gleichheitswahn“ diskutiert. Nun, was will man da schon diskutieren? Man kann bestenfalls Standpunkte austauschen. Wir leben in einer Welt, in der Männer erklecklich hohe Beträge dafür ausgeben, bei den Frauen oder bei einigen Frauen das zu haben, was sie für Erfolg halten. Und vice versa. Nicht „money makes the world go around“, sondern dieser ewige Wettstreit.

Er treibt die Welt nicht nur an und voran; er ist auch unterhaltsam, kulturell besonders wertvoll, zuweilen sehr hübsch anzusehen und zuweilen sehr furchtbar, er dürfte das Motiv für jeden zweiten Neuwagenkauf sein und für beinahe jeden Friseurbesuch.

So weit, so gut. Aber jetzt kommt der „Deutsche Frauenrat“ daher. In mißgelaunter, anmaßender Art und Weise fordert er die Absetzung dieser Fernsehsendung aus der Mediakthek des ZDF, also: die damnatio memoriae, die „Verdammung des Andenkens“. Schon im alten Ägypten hat man oft diejenigen, die man im Nachhinein nicht mehr mochte, durch Ausmerzen ihrer Namen dem Vergessen anheim fallen lassen wollen, und oft genug hat es geklappt. Hier nun also: In die Verdammung mit der Sendung, denn der „Deutsche Frauenrat“ findet sich selbst in seiner Majestät und bitteren Humorlosigkeit nicht angemessen wiedergegeben und vertreten.

Wir kennen das. Schon aus Bildern der ach so glorreichen Oktoberrevolution 1917 ließ Stalin nachher in Ungnade gefallene Genossen entfernen, manchmal erst ermorden und dann entfernen. Soweit bekannt, fordert dieser großartige „Deutsche Frauenrat“ noch nicht die Ermordung des Herrn Plasberg. Glück gehabt, Frank!

Ich verstehe ja, wenn ein Gremium, das mit der Freiheit des Menschen so viel anzufangen weiß wie ein Dreijähriger mit dem Begriff Verantwortung, hierbei versagt. Oder sollte ich schreiben „wie eine Dreijährige“? Ha, ha.

Es ist eben genau dieses Verhalten des „Deutschen Frauenrats“, das sprachlos macht in seiner verquasten Herrschaftsattitüde.

Überhaupt: Die Sendung soll noch einmal gedreht werden. Mit den gleichen Teilnehmer wie zuvor. Und jetzt kommt einer der Treppenwitze: Bis auf den Grünen Anton „ich hab‘ die Haare schön“ Hofreiter sollen alle bereits zugesagt haben. Bitte?

Hier sehen wir etwas Absurdes. Die angebliche Talkshow outet sich hier als Ohnsorg-Theater. Die Teilnehmer schlüpfen in Rollen und sprechen vorbereitete Texte. Eine solche Talkshow ist so unterhaltsam, als bastelte man aus gedruckten Interviews der Teilnehmer Papierflieger und ließe sie gemeinsam fliegen: Manche fliegen nebeneinander her, manche stoßen zusammen und stürzen ab. Mehr ist nicht dahinter. Es zeigt auch: Daß man auf die Gedanken des anderen eingeht, ist überhaupt nicht vorgesehen. Man spult einfach die eigenen Aussagen ab. Es ist, wie wenn sich ein altes Ehepaar im Lokal gegenseitig die Speisekarte vorliest: Lästig.

Ich frage mich, warum bisher keiner der Teilnehmer der Sendung gesagt hat, daß er für diese meinungsdiktatorische Wiederinszenierung der Sendung nicht zur Verfügung steht. Aber entweder man hat Kinderstube, oder eben nicht.

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