Hadera. Hadera?

#819 Die Städtepartnerschaft zwischen Nürnberg und Hadera entstand in einer Zeit, in der so etwas alles andere als selbstverständlich war. Am Wochenende fand auf Initiative von Altstadtrat Werner Gruber für eine Gruppe aus Israel ein Abendessen statt. Und wenn Günther Beckstein an diesem Abend davon erzählte, daß das schon zu seinen Junge-Union-Zeiten seinen Anfang nahm, dann ahnt der Leser, daß das schon länger als nur ein paar Wochen her ist.

Es ist im einzelnen eine gute Geschichte, eine Erfolgsgeschichte. Da saßen Menschen zusammen, die sich kennen und mögen, da sind Freundschaften entstanden zwischen hier und dort. Das ist auf der einen Seite schön und eben genau das, was eine Städtepartnerschaft bringen soll.

Bei den Israelis ist es Sarit Mayer, die für die Städtepartnerschaft besonders wichtig ist. Sie wurde als Abiturientin von ihrem Vater nach Deutschland geschickt, um das Land kennenzulernen – das ist jetzt dreißig Jahre her, und sie spricht besser Deutsch (und Fränkisch) als viele.

Auf der anderen Seite ist das immer noch etwas so besonderes, daß ein amerikanischer Politiker, als er davon hörte, aus Alaska nach Nürnberg kam, um das selbst zu sehen und teilzunehmen. Er kam das erste Mal in seinem Leben nach Deutschland, aus Zeitmangel nur für drei Tage, und er freute sich über das, was er hier erlebte.

Und das gibt, so erfreulich es ist, dann doch zu denken. Wie kann es sein, daß jemand aus dem fernen Anchorage für ein Abendessen nach Nürnberg kommt?

Weil es nach wie vor etwas besonderes ist. Das ist klar. Aber man sollte sich auch fragen, ob wir so vorsichtig und behutsam damit umgehen müssen. Oder ob wir nicht eher die Chance ergreifen und diese Städtepartnerschaft auf eine größere Basis stellen, damit sie von vielen Menschen als Gelegenheit ergriffen wird, einmal hinüber zu schauen.

Die Kenntnisse, die hierzulande über Israel vorhanden sind, sind teilweise … verbesserungsfähig. Israel hat eine moderne Gesellschaft, ist lebendig, hat starke Universitäten. Es gibt viele Berührungspunkte zwischen Israel und Deutschland – mehr, als viele denken. Das fängt beim Mobiltelefon an und hört bei Bewässerungsanlagen auch im Knoblauchsland, die „made in Israel“ sind, noch lange nicht auf.

Zum einen ist es der Verdienst von Werner Gruber und seinen Mitstreitern, daß da etwas entstanden ist. Zum anderen ist es unsere Aufgabe, daraus etwas zu machen und den Schwung zu nutzen, um diese Städtepartnerschaft zu beleben.

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