Nicht durcheinander kommen

Atombombe_Little_Boy_2 (1)
Atombombe „Little Man“ kurz vor dem Abwurf auf Hiroshima am 06.08.1945, kein ©

#814 Es ist wichtig, klare Grundsätze zu haben. Nur sie erlauben ein sicheres Urteil. Hört man heute Radio, auch gutes wie etwa den Deutschlandfunk, dann kann man den Eindruck gewinnen, daß viele Menschen ihre „Werte“ aus dem Kaugummiautomaten oder, ähnlich wertvoll, von einem Gutmenschen-Festival beziehen.

Aber bitte, sehen wir uns das näher an. Heute jährt sich zum 70. Mal der Abwurf der oben zu sehenden Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Es wurden etwa 130.000 Menschen getötet: viele sofort, viele starben in den nächsten Tagen und Wochen an den Verbrennungen und der Strahlenkrankheit.

Sie werden heute alle pauschal „Zivilisten“ genannt. Ob diese Bezeichnung zutreffend ist, ist fraglich: viele Tausend Menschen in Hiroshima arbeiteten im dortigen südjapanischen Truppensammelpunkt, wo man sich auf den „Endkampf“ vorbereitete. Und viele, die zwar keine Uniform, sondern zivil trugen, waren in die Kriegsanstrengungen Japans involviert. Im eigentlichen Sinn des Wortes waren sie keine Zivilisten. Es bleibt zwar wahr, daß ein Großteil der Opfer der Atombombe Zivilisten waren, Kinder, alte Leute – aber eben nicht alle. Und man soll nicht so tun, als sei es so gewesen.

Der Zweite Weltkrieg lag in seinen letzten Zügen, aber er klang nicht allmählich aus, sondern in einem furchtbaren Finale furioso.

Das faschistische Japan hat seit 1931 chinesische Gebiete auf dem asiatischen Festland besetzt („Mukden-Zwischenfall“). Es dehnte diese Besetzungen dann durch Krieg aus und verhielt sich als Besatzer mordend, vergewaltigend, raubend.

Als es am 7. Dezember 1941 durch den Angriff auf Pearl Harbour auf Hawaii an der Seite NS-Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg eintrat, fielen alle Schranken. Die Besatzung durch die Japaner war für Südostasien das schrecklichste Ereignis ihrer Geschichte. 450 Millionen Menschen gerieten unter die äußerst brutale Herrschaft der Japaner.

Die westlichen Alliierten, also Briten und Amerikaner, wobei es vor allem auf die Amerikaner ankam, befreiten – und das muß man so nennen – Asien von der japanischen Terrorherrschaft. Die japanische Führung gab nicht auf, obwohl sie nicht einmal mehr den Sprit heranschaffen konnte, um die eigenen Flugzeugpiloten nach dem Bombenabwurf zurückzubringen – weswegen man den „Himmlischen Wind“, Kamikadse, erfand, bei denen sich die Piloten mitsamt dem Flugzeug in ihr Ziel stürzen sollten.

Auch die japanische Flotte stach ohne Treibstoff für die Rückkehr zu ihren letzten Schlachten mit der US-Navy auf. Ein klares Zeichen dafür, daß es nicht mehr darum ging, den Krieg zu gewinnen – das war für Japan wohl von Anfang an illusorisch gewesen –, sondern nur noch darum, möglichst viele Menschen auf beiden Seiten zu töten.

Mit der Methode des sogenannten island hopping befreiten die Amerikaner eine Insel im Pazifik nach der anderen und näherten sich so den japanischen Hauptinseln an. Der amerikanische Präsident – nach dem Tode Franklin D. Roosevelts war dies Harry S. Truman – stand vor der Wahl, den Krieg dadurch zu beenden, daß er das japanische Festland besetzte, dabei zehntausende von GIs in den Tod führte und die japanische Verbrecherregierung ähnlich wie Hitler und Genossen mit Gewalt am Morden hinderte. Oder aber, durch den Atombombenabwurf sogar ein so niederträchtiges, verkommenes Gremium wie die damalige japanische Regierung zur Kapitulation zwang.

Man kann gewiß diskutieren, ob die Entscheidung zum Abwurf die richtige war. Zumindest die zweite Atombombe auf Nagasaki war mindestens verfrüht. Und auch die erste wäre vielleicht nicht notwendig gewesen: man hätte es vielleicht bei einer Demonstration „seht, was wir mit euch machen können“ sein Bewenden haben lassen. Das alles kann man diskutieren.

Was aber schlecht angeht, das ist die Heuchelei der heutigen Zeit, die so tut, als habe Japan damals nur spielen wollen und als seien die Amis die Bösen gewesen. Es geht nicht an, heute so zu tun, als sei Japan völlig unverschuldet mit dieser Waffe bestraft worden. Das wäre ebenso dumm, wie Churchill als Schuldigen für die Luftangriffe auf deutsche Städte zu nennen. Nein: die Schuldigen saßen u.a. in Berlin, Voßstraße 4-6 und waren unter der Telefonnummer 120051 erreichbar, wo man mit „Reichskanzlei, bitte sprechen Sie!“ ans Telefon ging.

Durch ihre Verbrechen wurde der Sturm entfacht. In Asien war dies ähnlich: durch die Verbrechen der Japaner wurde die enorme Maschinerie in Gang gesetzt, die das Regime schließlich niederwarf. Und sie mögen sich jetzt bitte nicht so hinstellen und so tun, als sei das Japan von 1945 das gleich wie heute: friedlich, prosperierend, konstruktiv.

Als die Amerikaner sich Japan annäherten, sprangen japanische Frauen mit ihren Babies im Arm lieber Klippen herunter, als sich zu ergeben. Es gibt Filmaufnahmen davon; und wen das nicht erschüttert, den erschüttert nichts mehr.

Es ist aber viel zu kurz gegriffen, für die Folgen daraus diejenigen verantwortlich machen zu wollen, die dem japanischen Terror seinerzeit ein Ende bereiteten.

Übrigens: Durch das Abkommen mit dem Iran wird dessen verkommene Führung ebenfalls in den Besitz von Atomwaffen kommen. Aber dazu schweigt der Gutmensch. Weil er vor allem eines will: seine Bequemlichkeit. Koste es, was es wolle.

Wir sind nur dadurch der Atombombe entronnen, daß sie nicht fertig war. Mit Ludwigshafen und Mannheim, zwei am Rhein gegenüberliegenden Städten mit großen chemischen Werken, war das Ziel schon festgelegt.

Advertisements