Rettich?

Kulturreferentin der Stadt Nürnberg: Prof. Dr. Julia Lehner, CSU – © Freud
Kulturreferentin der Stadt Nürnberg: Prof. Dr. Julia Lehner, CSU – © Freud

#812 Julia Lehner stand vor einer schwierigen Herausforderung: Vor einigen Tagen war sie der Ehrengast beim traditionellen Rettich-Essen der CSU in Großreuth bei Schweinau. Und so frug sie sich, was der Rettich mit der Kultur zu tun haben möge. Sie grübelte, und sie fand Antwort.

„Jeden Morgen frage ich mich: Rettich heute die Kultur, oder rettich sie nicht?“

Darauf muß man schon rein sprachlich erst einmal kommen. Aber inhaltlich ist an der Fragestellung durchaus etwas dran. Die Kultur, die Hochkultur geht in Nürnberg ein ausgesprochen vorzeigbaren Zukunft entgegen.

Jedoch sollte eines nicht nachlassen: die Aufmerksamkeit der Kulturreferentin. Es gibt Kräfte in Nürnberg, die wollen aus dem geplanten Konzertsaal eine Multizweckbude machen, die quasi alles vom Jungsozialsten-Grillabend bis zur Monatskonferenz über geschlechtergerechte Sprache von ver.di dort abhalten will.

Das wird sie abzuwehren wissen, denn nur dann, wenn der Konzertsaal ein wahrer Konzertsaal ist, dann werden die Köpfe nach Nürnberg kommen, die bisher aufgrund der, ähem, mittelmäßigen Akustik in der Meistersingerhalle einen Bogen um Nürnberg machten, als herrschte hier die Maul- und Klauenseuche.

Was eben nicht passieren darf: Es dürfen an der Architektur keinerlei, und zwar wirklich genau keinerlei, Abstriche gemacht werden. Das muß ein Konzertsaal sein, und zwar, den Anspruch darf der Nürnberger an sich schon fordern, der beste in seiner Funktion zwischen München und Berlin. Da darf kein Fitzelchen die gewollte Klangreinheit des Gebäudes stören. Der Klangkörper der Staatsphilharmonie und vieler Gäste darf im Klangkörper des Saales kein Gegrummel bei den Besuchern auslösen – dafür ist das alles viel zu teuer.

Apropos „teuer“: Wir leben schon in glücklichen Zeiten. Keiner weiß genau zu sagen, was der Dreiklang Konzertsaal/Opernhaus-Sanierung/Meistersingerhallen-Sanierung kostet, ja: man weiß es nicht einmal ungefähr. Aber da ist die Zusage des Finanzministers, und dann wissen alle: das wird ordentlich bezahlt werden. Nürnberg kann sich über Markus Söder wahrlich nicht beschweren. Und der Rest Bayerns auch nicht.

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