Was macht eigentlich die SPD?

Sigmar Gabriel – © Freud
Sigmar Gabriel – © Freud

#809 Die politische Landschaft wird von den beiden großen Protagonisten Union und Sozialdemokratie bestimmt. In Bayern ist das noch einmal ein klein wenig anders. Ein bevorstehender Wechsel von Horst Seehofer zu Markus Söder beschäftigt die Gazetten nicht nur in Bayern, sondern in der ganzen Republik. Wenn Markus Söder dies tut oder Horst Seehofer jenes läßt, dann rotieren sie schneller, jener Druckerpressen, die uns helfen sollen, die geheimen Zeichen zu deuten.

Sie benehmen sich wie weiland die Moskau-Korrespondenten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, als bei der Parade zum 1. Mai oder zur Oktoberrevolution aus der Reihenfolge der Aufstellung der alten Männer auf der Tribüne am Roten Platz in Moskau geweissagt, geaugurt wurde, wer in Gnade, wer in Ungnade sei. Dabei ist bei der CSU alles ziemlich transparent. Jeder weiß, wer wo steht und was gilt, alles ist öffentlich. Hier braucht man keine Zeichen zu lesen.

Bei den Sozialdemokraten ist das anders. Die Rede ist hier nicht von den SPDlern in Bayern – diese merkwürdige Truppe unter sauertöpfischen Unbekannten ist nicht sehr relevant, nicht einmal als Opposition –, sondern von den SPDlern im Bund. Und wir wissen ja, daß der Bundesbürger als solches durchaus ab und zu mal SPD wählt, so knapp jeder vierte. Und da tut sich etwas. Beziehungsweise: Es tut sich eben nichts, und das fällt auf.

Der wackere Sozialdemokrat an und für sich ist betriebssystembedingt darauf aus, Bundeskanzlerin Merkel abzulösen. Ein Plan, immerhin (ob ein guter, lassen wir mal einfach offen….). Aber durch wen?

Und nun fängt sie an, die rote Misere. Obwohl… wenn man ganz feste nachdenkt… da war doch einmal jemand? Ja, der Peer! Peer Steinbrück! Die sozialdemokratische Antwort auf das Übel der Welt! Aber ach, Peer ist nicht mehr. „Hätte, hätte, Fahrradkette“ ist so ungefähr das einzige, was von ihm blieb. Eine politisch zündende Idee war da wohl nicht.

Nun gut: Also muß der Chef ran. Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD, Bundeswirtschaftsminister. Jener, der von „guten Freuden“ in Teheran raunt, und sich freut, daß es mit ihnen so knorke sei, als sei all die Jahre nichts passiert. Keiner Vierteilungen von Menschen mithilfe von Traktoren. Ach was, sagt der Herr Gabriel, es war wie bei alten Freunden. Wohlan.

Wir kennen das ja. Das „Wachbataillon Felix Dscherschinskij“ der „Nationalen Volksarmee“ der „DDR“, ein lupenreiner Stasi-Laden, sang einst auch von „guten Freunden in Ost-Berlin und Moskau“. Tempi passati, vergangene Zeiten.

Aber zurück zur Frage, wer denn bei der SPD den Kanzlerkandidaten macht. Keiner will. Auch Gabriel scheint nicht zu wollen. Siggi-Pop, wie er zu Zeiten in der niedersächsischen Landespolitik noch hieß, als er dort „Pop-Beauftragter“ war, scheint keine recht Lust zu haben.

Da kommt aus dem hohen Norden der Republik ein Thorsten Albig daher und rät seiner SPD, keinen Kanzlerkandidaten aufzustellen, denn der wird sowieso nicht Bundeskanzler. Man könne es doch bei einem „Spitzenkandidaten“ belassen. Macht die FDP auch, also warum nicht?

Jetzt aber heult sie auf, die SPD, weil einer etwas gemacht, was man bei solchen Folklore-Vereinen nie machen darf: Er nimmt die Realität zur Kenntnis.

Die SPD wird benötigt, um ein Gegenmodell zur erfolgreichen Politik von CDU/CSU aufzuzeigen. Der Wähler mag sich dann entscheiden. Die SPD wird benötigt, um ordentliche Oppositionsarbeit zu leisten. In Bayern klappt das nicht so gut, da übernimmt das die Süddeutsche Zeitung. Aber im Bund könnte das dann wieder ganz gut klappen, wenn die Union die SPD nicht mehr zum Regieren braucht. Und das ist doch auch mal eine gute Nachricht.

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