Poster

Markus Söder in seinem Jugendzimmer – © Markus Söder
Markus Söder in seinem Jugendzimmer – © Markus Söder

#803

Wir erleben gerade eine dieser lustigen Dinge, die so wohl ziemlich neu sind: Die Gestaltung des Zimmers eines Jugendlichen wird öffentlich thematisiert.
Dabei geht es nicht um das Barbie-Puppenhaus, das Claudia Roth vielleicht hatte, oder die Sherman-Panzer, mit denen Margot Käßmann womöglich spielte, es geht nicht um Bo Derek, eine Art Pamela-Anderson-Vorläuferin der 1980er, mit denen jemand sein ach so künstlerisches Faible ausdrückte oder Motörhead, mit denen ein anderer sein ach so furchtbar rebellisches und kulturell anspruchsvolles Wesen bekunden wollte.
Nein, hier geht es um Markus Söder. Langweilig, mögen die einen sagen, er war doch gestern schon Thema hier. Macht nichts: was gut ist, darf öfter auf den Tisch.
Und so ist mal festzuhalten: Erstens kennen wir die Regeln im Söderschen Elternhaus nicht und können daher nicht beurteilen, was dort als statthaft galt und was nicht. Da sollten also sich alle schon mal eine Oktave niedriger aufregen. Zweitens wären wohl viele Eltern froh, wenn sich im Leben des Sprößlings recht früh auch eine Neigung hin zu ernsthaften Themen verfestigen würde. Wenn sie sich dann auch solcherart manifestiert – wunderbar.
Die lustige Öffentlichkeit findet es übrigens keineswegs witzig, wenn kommunistische Größen in Jugendzimmern stehen. Eine Karl-Marx-Büste auf dem Sideboard? Das habe manche altlinken Lehrer heute noch. Lenin auf einem Poster  im Stil der Sowjetkunst der 1920er im WG-Zimmer? Da findet anscheinend keiner etwas dabei.
Aber Franz Josef Strauß? Da regt er sich auf, der Spießer. Er, der den Einheitsgeschmack fordert. Er, der alle schief anguckt, die nicht seinen billigen Vorstellungen enstprechen. Der Spießer wähnt sich glücklich nur bei der Erfüllung seiner eigenen Vorstellungen.
Dabei ist Markus Söder der Machtposition eines Franz Josef Strauß näher gekommen als andere den Brüsten einer Bo Derek, spielt bei Markus Söder die Bayerische Staatskanzlei wohl bald eine zentralere Rolle als eine E-Gitarre im Leben der meisten Menschen, die dereinst eine Rockgruppe auf dem Poster zu hängen hatten: Macht alles nichts, manche Zeitgenossen glauben einfach, daß grundsätzlich über CSUler zu lachen sei.
Damit verraten sie mehr über sich selbst.
Advertisements