Erst nachdenken

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#798 Gestern im Stadtrat: Eine Lehrstunde. Das Fach: „Wie man’s macht und wie man’s nicht macht“.

Fahrrad auf dem Hauptmarkt: Ja? Nein? Wozu? Und wieder sind wir ratzfatz bei meinem derzeitigen Lieblingsthema, der Unterscheidung zwischen (billiger, aber wohlfeiler) Gesinnungsethik und (wertvoller, aber oft unsexy daherkommender) Verantwortungsethik.

Die Gesinnungsethik schreit: „Fahrrad gut! Auto böse! Mehr Rechte für Radfahrer, dann Welt besser!“ und zeigt sich dabei als nicht sehr klug.

Vor allem fehlt ihr vor lauter Eifer die Ruhe für langsames, aber sicheres Denken. Radfahrer – von wo nach wo? Der Hauptmarkt grenzt, jedenfalls nach Süden hin, an die Fußgängerzone. Es wäre ziemlich sinnlos, Radfahrer über den Hauptmarkt dorthin fahren zu lassen.

Sollen Fahrradstraßen auf dem Hauptmarkt abmarkiert werden? Das kann man kaum mit den vielen Sondernutzungen des Hauptmarkts in Einklang bringen. Außerdem hätte man dann eine zerklüftete Realität: Hier darf man, hier darf man nicht… Bringt so nichts. Soll man es also überall freigeben? Wir wissen, was dann droht: Dann wird der Rüpel unter den Radlern, und der ist nicht so selten, fröhliche Urständ feiern und durch sein Verhalten klarmachen, daß andere hier gefälligst nichts verloren haben.

Auch das Gerede vom verkehrsplanungspolitischen Modewort „shared space“ ist freilich Unsinn. Es meint, daß sich verschiedene Verkehrsteilnehmer einen öffentlichen Raum teilen und funktioniert auch teilweise, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Hier aber geht das nicht, weil auch Marktstände, Biomarkt, grüner Markt, Christkindlesmarkt den Raum beanspruchen – und zwar natürlich bevorrechtigt.

Übrigens wird das, je mehr eBikes es gibt, um so gefährlicher für alle anderen werden. Schnell und lautlos kommen die eBikes daher und müssen deswegen raus aus dem gemeinsamen Raum.

Da können die Herren Mletzko und Schrollinger, grün der eine, schon mehrfach als esoterisch-grün aufgefallen der andere, böse sein wie sie wollen: es ist ein solches Durcheinander, geeint nur durch den Satz „Fahrrad ist toll!“, keine Grundlage für eine Entscheidung, die den Marktbeschickern unzumutbare Nachteile bringt, die Behinderte zum Freiwild werden läßt, die das Zentrum der Stadt zur billigen Rambostrecke für sozial schwierige Verkehrsteilnehmer werden läßt.

Deswegen ist es gut, daß der verkehrspolitische Sprecher der CSU Marcus König mit der SPD eine Vertagung des von der SPD gewollten Testlaufs vereinbarte.

Soll die VAG mal lieber einen Testlauf mit einer Haltestelle an der Erler-Klinik machen.

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