Wer ko, der derf

Markus Söder – © Freud
Staatsminister Dr. Markus Söder MdL – © Freud

#797 Der Satz im Titel heißt eigentlich „Wer ko, der ko“. Der Legende nach stammt er aus der Zeit, als Seine Majestät gerne mit dem offenen Landaulet durch Bayern fuhr und dabei eher gemächlich unterwegs war. Um nicht von hinten bedrängt zu werden, erließ Seine Majestät das Edikt, daß es bei Strafe von zwei Talern Kurant verboten sei, die königliche Kalesche zu überholen. Als ein vermögender Brauereibesitzer keine Lust mehr hatte, bei fünf km/h hinter Seiner Majestät herzuzuckeln, wies er seinen Kutscher zu überholen an, erhob sich, machte im Vorbeifahren seinen Diener und rief wegen der zu erwartenden Strafe: „Majestät: Wer ko, der ko.“

In diesem Falle gilt nicht nur, daß kann, wer kann. Es gilt außerdem: Wer kann, der darf. Und eigentlich auch: Wer kann, der muß.

Jeder Politiker von Format hat feste Aussagen, die sich in seinen Reden wiederholen. Das ist übrigens nicht von Nach-, sondern von Vorteil: So wird nämlich den Zuhörern, aber auch den Journalisten, also der Öffentlichkeit klar und bewußt, daß diese und jene Aussage eben zu dem gehören, was diesen Politiker ausmacht, daß sie beschreiben, wofür er steht.

Nicht jeder Politiker hat so etwas, nicht jeder also ist von solchem Format. Das muß keineswegs schlecht sein: Ein Sozialpolitiker, beispielsweise, muß sich nicht unbedingt zu einem wehrpolitischen Thema äußern. Aber einer, der nach einer Gesamtverantwortung strebt, der muß das schon tun und wollen.

Er darf auch nicht nur ein Vollstrecker des letzten Parteitags sein. Erstens dreht sich die Welt schneller, als Parteitage stattfinden. Und zweitens ist es nicht das Kennzeichen der Demokratie, daß derjenige, der in Verantwortung steht, populistisch das nachvollzieht, was die Masse der Wähler gerade mal will, sondern daß er mit einer Grundüberzeugung, mit einer klaren Ansage vor die Wähler tritt und sagt, daß er dafür und dafür stehe und daher den Wählerauftrag erhalten will.

„Dem Volk auf den Mund schauen, aber ihm nicht nach dem Maul reden“, hat Franz-Josef Strauß gesagt – und wie so manches ist das bis heute wahr.

Aber da fällt auch etwas anderes auf: Von denen, die da nach vorne treten in der CSU, erhebt keineswegs jeder den Anspruch, ein Generalist zu sein – also: zu allen wesentlichen Themen etwas sagen zu können. Nicht jeder erhebt diesen Anspruch, und nicht jeder erfüllt ihn.

Manchen, die mal diesen und mal jenen als „Kronprinz“ in der CSU nennen, sei empfohlen, einmal Markus Söder bei einer seiner Reden zuzuhören. Nicht nur, weil er weiß, wie man redet. Sondern auch, weil er weiß, was er sagt. Zu jedem politischen Thema. Das muß man erst einmal können.

Und wer ko, der derf.

Advertisements