Wenn der Gerd mit dem Wladimir…

Gerhard Schröder – © SPD Schleswig-Holstein via Flickr, Lizenz: CC-BY SA 2-0
Gerhard Schröder – © SPD Schleswig-Holstein via Flickr, Lizenz: CC-BY SA 2-0

#794 Man erinnere sich: Schröder, Gerd, war einmal Bundeskanzler. Bis zu jenem Moment, in dem er abends im Fernsehen zu Angela Merkel sagte, daß sie nicht Bundeskanzlerin werden würde, mit seinem Rausch in der Nacht verschwand und anschließend bei seinem Kumpel Wladimir arbeitete.

Wladimir Putin wiederum ist der, der nach Michail Gorbatschow und Boris Jelzin das, was von der UdSSR verblieb, seit Jahren herunterwirtschaftet. Er hat sich nicht nur die Krim geraubt, er hat den Krieg in die Ukraine getragen. Putin ist gemeinsam mit Erdogan derzeit nicht nur die größte Gefahr in Europa. Das nehmen viele nicht ernst, weil Europa doch schon so lange keinen Krieg mehr erlebt habe. Das ist zum einen nicht richtig, weil man den Jugoslawien-Krieg nicht übersehen darf. Zum anderen aber muß man sich vor der Kleingeistlogik vorsehen, die da sagt, weil ein Krieg soundso lange nicht passiert sei, würde er nicht mehr passieren. Das ist so dumm wie doof.

Die Hemmschwelle vieler Menschen sinkt. Die einen wollen Griechenland um jeden Preis aus dem Euro schmeißen – auf „um jeden Preis“ liegt die Betonung. Sie machen sich aber meist wenig Gedanken darum, was am Tag danach passieren soll. Wir werden kaum zusehen, wie in Griechenland die Menschen hungern dank der Gnade ihrer sozialistischen Regierung. Wir werden ihnen natürlich helfen. Nun kann aber diese Hilfe so Jahrzehnte dauern, ohne, daß es besser werden wird.

Da ist es klüger, wenn wir diese Regierung aus verantwortungslosen Nullnummern überwinden und die Griechen zu einer verantwortungsvollen Mitarbeit bewegen können.

Das ist übrigens der Tenor von verantwortungsvollen Politikern. Die denken freilich über einen „Grexit“ nach – aber ihr Denken endet nicht dort. Wer weiter denkt, der merkt, daß am Tag des Ausscheidens Griechenlands aus dem € zwar ein Kapitel beendet ist – aber auch nicht mehr als das. Das eben ist der Nachteil einer „Basta!“-Politik: Nachdem mit der Faust auf den Tisch geschlagen wurde, mag’s erst einmal still werden. Aber ein paar Sekunden später hebt der Trubel wieder an, will sagen: geht es weiter. Gut ist in diesem Sinne nur, das Regiment dieser wichtigtuerischen Nullnummern in Athen zu beenden und für eine Regierung zu sorgen, die das so oder so Unvermeidliche tut. Und das besser mit der EU und der Eurozone als ohne sie.

„Wir“, also wohl vor allem die Bundesregierung, sind in diesem traurigen Akt um Griechenland wohl die Verantwortungsbewußten, und die griechische Regierung übt sich in machohafter Verantwortungslosigkeit. Letztere ist so stark wie ein aufgeplustertes Nichts. Erst machen sie ein großes Referendum mit einer Fragestellung, die ob ihrer Komplexität kein normaler Mensch mehr versteht und labern einen davon, daß wir deren ach so pfundige, „demokratische“ Entscheidung akzeptieren müssen – als seien wir die Untertanen des Sozialisten Tsipras und seiner teils sozialistischen, teils faschistischen Regierungskumpels. Sind wir nicht: wir haben eine anständige Regierung. Kaum aber haben die Griechen dieses Referendum gemacht, verhandeln sie – weil sie dringend unser Geld wollen – über das, was sie in diesem Referendum ablehnen. Das ist zwar etwas paranoid, aber nur wieder ein Zeichen des Scheiterns der Sozialisten und Faschisten aus Athen.

Und was hat das alles mit Schröder zu tun? Nun: Er ist Putins Kumpel. Er stimmt zu, wenn dieser ein „lupenreiner Demokrat“ genannt wird. Er nimmt jeden Monat Lohn von ihm, als sei es das normalste der Welt, daß ein Bundeskanzler – immerhin auch ein Geheimnisträger! – für einen fremden, einen kriegführenden, einen andere Staaten überfallenden, Feind des Rechtsstaats, Feind der Freiheit, Staatschef einer sogenannten Demokratie, für die sich sogar der durchschnittliche Nordkoreaner nicht erwärmen könnte, „arbeitet“. Da ist es beruhigend zu wissen, daß die NSA nachschaut, was denn da gesprochen wird zwischen den beiden.

Auch hier ist wieder ein Punkt künstlicher Aufregung, die so völlig unangemessen ist. Worüber regt man sich eigentlich auf? Eigentlich doch darüber, daß ein Geheimdienst seine Arbeit macht. Glauben diese oft doch wohl etwas hysterisch daherkommenden Zeitgenossen, daß die deutschen Geheimdienste ihre Zeit mit Origami verbringen? Glaubt irgend jemand, daß es ohne Geheimdienste geht?

Natürlich sind Geheimdienste notwendig. Andere Staaten und Organisationen sind nicht immer nett. Dazu muß man nicht bis IS schauen. Oder bis Putin und Erdogan. Es reicht dazu schon aus, nach Österreich zu gucken und zu fragen, was die eigentlich mit der Hypo Alpe Adria machen im Versuch, uns ein paar Milliarden wegzunehmen.

Es gibt einige Aktivitäten der NSA, die nicht sein dürfen. Die Kommunikation der Bundeskanzlerin etwa hat tabu zu sein. Aber den Gerd und den Wladimir… ich schlafe schon ruhiger, wenn da jemand hinschaut, daß die Männerfreundschaft nicht Züge annimmt, die den Frieden ernstlich gefährden.

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