Von der Arroganz des Schnösels

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#789 Da ist einer unterwegs, den Menschen die Welt zu erklären. Augstein ist sein Name, Jakob, und er strengt sich an. Aus seinem ererbten Vermögen („Bedingt abwehrbereit“) gönnt er sich sogar eine eigene Postille mit dem schönen Namen „Der Freitag'“ und spielt uns eine Robinsonade vor.

Der belesene Leser erinnert sich vielleicht, daß in einem Abschnitt von Daniel Defoes Roman „Robinson Crusoe“ der gestrandete Schiffbrüchige einen Wilden findet und gönnerhaft behandelt, ihm den wenig einfallsreichen Namen „Freitag“ gibt, weil just an jenem Wochentage der eine den anderen traf.

Was für ein trauriger Grund für einen Namen – aber, hallo, schon sind wir auf dem Niveau von Augstein.

Allwöchentlich darf also dieses Wunderkind des deutschen Meinungsjournalismus getreu dem Motto „Je weniger Ahnung, desto mehr Meinung“ auf spiegel.de einen Kommentar zur Zeit loswerden. Nach diversen Ausflügen in einen Bereich, den nicht wenige „antisemitisch“ nannten, schweigt der ach so erschrockene Augstein in letzter Zeit zu diesem Themenkreis und ist verblüfft, daß die Menschen sich wehren, wenn es aus ihm spricht.

Deswegen wendet er sich vermehrt anderen Themen zu und ödet die Leser mit seiner Gesinnungsethik an.

So heißt es beispielsweise schon im ersten Satz des aktuellen Kommentars: „Alexander Tsipras hat eine mutige und richtige Entscheidung getroffen.“ Ach. Mutig? 10,8 Millionen Griechen für den eigenen Starrsinn leiden zu lassen, ist „mutig“?

Aber halt, ich fange mit dem ersten Satz an, und da ist einer der grüßten Dummheiten dieses an Dummheiten nicht armen Augstein-Kommentar schon vorbei. Die Rede ist vom Titel: „Referendum in Griechenland: Ich stimme mit Nein“.

Ach. Ist Jakob Augstein ein griechischer Staatsbürger? Dann müßte sein Wikipedia-Artikel schnellstens überarbeitet werden. Falls er das nämlich nicht ist, darf er nicht abstimmen. Aber was kümmert das den Jakob in seiner Herrlichkeit? Er ist ein Gutmensch.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Jeder soll so reich sein, wie es ihm gut tut. Aber aus mehr Vermögen erwächst auch mehr Verantwortung. Und es ist verantwortungslos, wenn der Multimillionär Augstein den Griechen zurät, für diese linksextrem-faschistische Regierung zu votieren. Er macht es sich leicht und tut einen auf wohlmeinend, aber er hetzt die Griechen in die ausweglose Situation und schimpft dann auf die Bundeskanzlerin, weil die angeblich nicht verstünde.

Wer hier nicht versteht, daß ist der linksextreme Gutmensch. Nicht nur Jakob Augstein als Person, sondern als Typ: Es ist ihm völlig egal, wenn die Griechen im Orkus der Entwicklungen untergehen, Hauptsache: er hat recht. Und eben diese verantwortungslose, schändliche Rechthaberei und Wichtigtuerei hat Angela Merkel nicht.

Zusammen mit anderen verantwortungsbewußten Politikern hat Angela Merkel die Hoffnung, daß nach diesem Sonntag in Griechenland endlich Erwachsene regieren werden, mit denen man vereinbaren kann, wie Griechenland wieder auf die Beine gestellt werden kann. Das geht natürlich nicht mit absurden 50-Milliarden-€-Forderungen, wie sie heute durch die Zeitungen geistern (4.500 € pro Grieche!), sondern das geht dadurch, daß man in das lange Zeit eine falsche Wirklichkeit vorgaukelnde Griechenland eine Realität wieder einkehren läßt, die notwendigen Maßnahmen berät und durchführt und so den Menschen auch wieder eine gute Lebensperspektive gibt, anstatt sie als billige Masse fürs Absondern der eigenen Tiraden zu mißbrauchen.

Jakob Augstein auf dem Blauen Sofa der LBM 2012 (1)
Jakob Augstein auf dem Blauen Sofa der LBM 2012 (1)
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