Der westliche Herbst?

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#785 Vor zwei Tagen starb in Frankreich ein Mensch, dessen abgeschnittener Kopf noch für ein perverses Foto herhalten mußte. In Tunesien starben 38 Menschen durch einen Mörder. Und wir? Wir machen nichts.

Es ist in den wichtigsten Medien im Internet bereits eine nachrangige Meldung, weit nach unten gerutscht. Wie kann das sein?

Im „deutschen Herbst“ 1977 starben – von Terroristen abgesehen – fünf Menschen. Aber nach der vorher erfolgten Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Begleitern, nach der Ermordung von Dresdner Bank-Chef Jürgen Ponto, war dies die schwerste Krise, in der unser Staat je war. Das Bundeskabinett tagte als „Großer Krisenstab“ und „Kleine Lage“ fast unentwegt. Schärfere Gesetze wurden erlassen, die Polizei fahndete und suchte weiträumig. Wir waren schon ein wenig im Ausnahmezustand. Am 18. Oktober 1977 begingen die Oberterroristen einen Bilanzselbstmord, und die Sache war im Wesentlichen vorbei.

Für diese Lage fand sich das Wort „deutscher Herbst“. Einen „arabischen Frühling“ wähnten manche im Kommen, als sich am 17. Dezember 2010 ein tunesischer Obsthändler selbst verbrannte und dadurch eine Bewegung auslöste, die zahlreiche autokratische Regime in MENA (Middle East – North Africa) hinwegfegte. Statt dessen kam eine arabische Steinzeit.

Das fanden erst viele gut, doch das, was danach kam, ist heute der Schrecken der Menschheit. Natürlich gibt es auch heute einige gescheiterte Wichtigtuer wie diesen unsäglichen Todenhöfer (Wehner: „Hodentöter“), der, um seine eigene Scheinwichtigkeit zu behaupten, jenen Folterknechten der Moderne noch Verständnis entgegenbringt und in seiner präpubertären Desorientierung und seinem ausgelebten Ödipuskomplex „den Westen“, am liebsten die USA und Israel dafür verantwortlich macht, daß ein perverser Mörder nach dem anderen im Namen einer damit auch nicht eben souverän umgehenden Religion Menschen deswegen umbringt, einfach weil sie existieren. Hamed Abdel-Samad hat das mehr als einmal treffend beschrieben.

Wir müssen erkennen, daß der „deutsche Herbst“ verglichen mit den Gefahren, die wir heute erleben, gleichsam nur ein laues Lüftchen war. Wir müssen die Strukturen unterstützen, die den IS eindämmen und jene stürzen, die ihn stützen. Freilich ist nicht jeder „gut“, der gegen den IS ist.

Es ist für den Fortbestand dessen, was „Westen“ ist, zwingend geboten, Front zu beziehen gegen die, die uns zerstören wollen. Wir müssen wehrhaft sein gegen jene, die uns vernichten wollen.

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